Tourenbericht vom 11.07.-13.07.2009 - Hochtour und Klettern

11.07.2009 - 13.07.2009
Autor: Christian Färber

Leitung: Dr. med. Ronald Berndt

Nach einigen Stunden Autofahrt und einem kurzen Aufstieg zur 1387m hoch gelegenen Höllentalangerhütte, trafen sich „fast alle“ Tourenteilnehmer  inkl. Tourenleiter Ronald in der Gaststube der Hütte, um die darauffolgenden Tage zu besprechen und letzte Planänderungen vorzunehmen. Zusätzlich erzählten wir uns von den ersten sehr positiven Eindrücken des ersten Tages der Tour. Jeder schwärmte von den bizzaren  Felsformationen, welche uns in der Höllentalklamm eine große Freude bereitet haben. Um sowohl physisch, als auch psychisch wieder voll regeneriert zu sein, speisten wir wie dazumal die Kaiser in der Antike. Sofort fiel den männlichen Bergsteigern die ziemlich gut aussehende Bedienung auf. Klemens und ich nahmen den Wind aus den Segeln, als wir berichteten, dass sie über eine grenzwertige Ausdrucksweise verfüge: „Ich räum den Scheiß schnell weg, dann komm ich zu euch“. Mit vollem Magen machten wir uns zu später Stunde auf den Weg ins Bett. Jeder freute sich über seinen wohlverdienten Schlaf, der nicht zuletzt des Öfteren durch lautes Schnarchen unterbrochen wurde.

Am Sonntag um 5 Uhr in der Früh hieß es dann raus aus den Federn und auf zu neuen Taten. Dieser Tatendrang war kaum zu bremsen, so dass Erwin und ich die Morgenröte genossen und eine atemberaubende Komposition aus schroffem Fels und warmen Sonnenstrahlen beobachteten. Man bedenke, dass es den Abend zuvor in Strömen geregnet hatte. Unser Tagesziel war das Münchner Haus, das auf dem Gipfel der Zugspitze steht. Anfangs ging es gemächlich über Stock und Stein bis an das Ende des sagenumwobenen Höllentales. Nun folgte der Klettersteig, welcher uns die schnelle Gewinnung an Höhenmetern ermöglichte, so dass wir rascher als erwartet den Höllentalferner erreichten. Ronald führte die Gruppe sehr souverän, kompetent und routiniert, wenn er nicht gerade seine Kleidung wechselte. Auf dem Gletscher lag ausreichend Schnee, folglich konnten wir uns das Anlegen der Steigeisen sparen. Selbst die teils heikle Randkluft bereitete uns keine Probleme. „Fast“ immer am gesicherten Steig entlang näherten wir uns zielstrebig dem Gipfel der Zugspitze. Das Wetter wurde zunehmend schlechter, je höher wir aufstiegen. Aber alles kein Problem für uns ambitionierte Bergsteiger, so dass wir kurzzeitig eine eigene Aufstiegsroute über den Grat wählten. Auf diese Weise wurde das klettertechnische Niveau angehoben, um so ein Fundament für den nächsten Tag am Jubiläumsgrat zu schaffen. Angekommen am überfüllten Gipfelkreuz der Zugspitze machten wir schnell das obligatorische Gipfelfoto und betraten anschließend die Aussichtsplattform des Zugspitz-Gipfels. Kurze Zeit später ließ Ronald seinen ganzen Charme spielen und hatte plötzlich zwei russische Frauen in seinen Armen, die dem erschöpften Bergsteiger mit ihrer Anwesenheit die nötige Kraft spendeten, um die letzten Meter bis zum Münchener Haus zurücklegen zu können. Am Abend ließen wir den ersten Teil unserer Tour Revue passieren und freuten uns auf die hauptsächliche Etappe, welche uns am nächsten Morgen bevorstehen sollte, nämlich der Jubiläumsgrat.

Als endlich auch Erwin seine Bergstiefel gefunden hatte, konnten wir all unsere  körperlichen und geistigen Fähigkeiten kanalisieren und auf die Tagestour „Jubiläumsgrat“ richten. Ich denke die meisten von uns gingen mit gemischten Gefühlen an diese Tour heran, da sie in allen Kletterführern als sehr lohnende, aber auch schwere und gefährliche Gratkletterei beschrieben war.

Nachdem wir nochmals am Gipfel der Zugspitze vorbeikletterten, wurde uns relativ schnell bewusst, dass man sich heute keinen Fehltritt erlauben sollte. Aus diesem Grunde war jeder von uns sehr konzentriert und kletterte ruhig und bedacht. Mir persönlich gefiel der Grat sehr, da es Passagen gab, die weniger gefährlich waren und zum Träumen einluden, andere wiederum das volle bergsteigerische Können abverlangten. Nach dem wir mehrere Stunden am Grat entlang geklettert waren und einige schwierige Stellen mit Bravour gemeistert wurden, erreichten wir eine Biwakschachtel.

Nun war uns bewusst  mind. 2/3 des Weges zurückgelegt zu haben. Dies erfüllte uns mit Stolz und gab uns neue Motivation und Energie für den Rest des Weges. Letztendlich stellte sich heraus, dass der Weg doch länger gewesen war als wir anfangs dachten. Die Höllentalspitzen waren uns nicht genug, so dass wir noch über eine ganze Reihe von Bergspitzen kletterten. Angekommen auf dem Gipfel der Alpspitze strotzten wir vor Kraft und genossen das allseits beliebte Bündnerfleisch, mit welchem uns Ronald stets versorgte, wenn uns die Energie ausging. Für eine große Pause blieb keine Zeit, da uns Gewitterwolken auf den Fersen waren. Folglich stiegen wir von der Alpspitze ab, um unsere letzte Etappe an diesem wunderbaren Tag zu erreichen, die Seilbahnstation des Osterfelderkopfes.

Nachdem wir den super-affentittenlecker-geilen Abstieg über die Alpspitz-Ferrata hinter uns gelassen hatten, stiegen wir tot, aber glücklich in die Seilbahn ein.

Im Tal genossen wir dann noch die Köstlichkeiten eines polnischen Restaurants, wie z.B. Eis mit Schokofeeetglasur(!).

Abschließend kann man ohne schlechtes Gewissen behaupten, dass uns Ronald eine super Tour angeboten und dann auch letztendlich beschert hat.

Mit vollem Bauch traten wir die Heimreise an, vielleicht schlafend oder philosophierend über die wunderschönen drei Tage, die jetzt leider vorbei waren.

Hiermit möchte ich mich nochmal bei Dr. med. Ronald Berndt und den anderen Teilnehmern der Tour bedanken und mich für die sehr  rar ausgefallene Berichterstattung der anderen „Teiltouren“ entschuldigen. Ich kann eben schlecht über etwas berichten, das ich nicht selber erlebt habe.

VIELEN DANK
Christian Färber