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Bergtour in den Lechtaler Alpen

23.07.2009 - 26.07.2009
Autor: Erika

Tourleiter: Gerhard Zumach

Teilnehmer: Anja, Doris, Michael, Walter, Georg, Axel und Erika

Donnerstag, 23.07.09

Gegen 8.00 Uhr morgens verpacken wir Rucksäcke und Material in den Autos von Gerhard und Walter und verlassen die mittelfränkische Bezirkshauptstadt. Auf der A7 südwärts nehmen wir den obligatorischen Boxenstop Allgäuer Tor mit, verlassen bei Oy-Mittelberg die Autobahn, passieren auf der B 310 Jungholz und das sattgrüne Tannheimer Tal, gelangen über den Gaichtpaß ins Lechtal und stellen die Autos für die nächsten 4 Tage in Stockach bei Holzgau ab.

Bei strahlender Sonne wandern wir den Weg 636 das Sulzeltal hinauf, durch mehrere Tunnels, die durch eine Felswand führen, erstmal bis zur Sulzel Alm (1465 m). Pause mit frischer Milch von eigenen Kühen und anderen Getränken. Das letzte Stück bis zur Frederic Simms Hütte wird etwas steiler; nach 25 Serpentinen nehmen wir die als „Gott sei Dank Kurve“ beschilderte letzte Kehre und können dann die Rucksäcke auf dem Steinmäuerchen um die Sonnenterrasse der Hütte, die den Blick talabwärts und zum Großen Krottenkopf sowie der Marchspitze in den Allgäuer Alpen bietet, absetzen. Die Berghänge rücken dem Haus, das etwa 250 m über dem Talschluß des Sulzltals auf einem Vorsprung des Westgrats der Wetterspitze in 2004 m Höhe liegt, sehr nahe.

Unser Lager ist über ein steiles Holztreppchen zu erreichen und wird ausschließlich durch unsere Gruppe belegt. Viel ist nicht los, der bisher schlechte Bergsommer schlägt sich auch hier im Umsatz nieder.

Freitag, 24.07.09

Heute sind dickere Wolken aufgezogen. Nach dem Frühstück brechen wir ohne Hetze zur Holzgauer Wetterspitze, einem markanten Felsturm, der an der Südflanke bis zu 500 m senkrecht abfällt und mit 2895 m der sechsthöchste Gipfel der Lechtaler Alpen ist, auf.

Nach Überquerung einiger ausgespülter Bachrinnen arbeiten wir uns langsam in Serpentinen einen steilen Schutthang hoch. Nach kurzer Pause an einem Altschneefeld zweigen wir vom Hauptweg ab, gehen einen weiteren Geröllhang hoch bis zum Fallenbacher Joch (2721m) und queren von dort nordwärts bis zum Felsansatz. Nach einigen Höhenmetern, die wir unter zu Hilfenahme der Vorderfüße überwunden haben, gelangen wir zum Kammerloch, das durch einen darüber liegenden Klemmblock gebildet wird und einen wunderschönen Talblick bietet, sobald es der aufgezogene Nebel zulässt. Hier entscheidet sich Gerhard, ein Fixseil bis zu einer kurzen Drahtseilversicherung zu legen. An diesem eingeklinkt steigen wir in leichter Kletterei ( Schwierigkeit I) ein paar Höhenmeter weiter, dann mit Hilfe des Drahtseils über eine kleine Felsplatte hinauf, wonach wieder ein „wanderbarer“ Weg zum Gipfel der Wetterspitze führt. Gipfelfoto, Brotzeit, was trinken. Bald wird es frisch, Nebel verwehrt uns die Sicht, und so entscheiden wir uns auch schnell wieder für den Abstieg. Nur einige Meter tiefer reißt der Nebel doch hin und wieder auf und gestattet uns wunderschöne Ausblicke.

Beim Abstieg von den Schutthängen, bei dem uns wieder gute Sicht und zeitweise Sonne begleiten, gibt uns Gerhard ein paar wertvolle Beschleunigungstips, deren Befolgung die Knie entlastet und die Oberschenkelmuskulatur wachrüttelt. Zurück an der Simmshütte können wir bei unserer Kaffeerunde auf der Terrasse die über das Allgäu ziehenden Regenwolken beobachten. Später gibt’s gut und reichlich Abendessen, und während wir in der Hütte den Tag gemütlich ausklingen lassen zieht ein Gewitter auf und bringt uns den angekündigten Schlechtwettereinbruch.

Samstag, 25.07.09

Immer wieder einsetzende Regenschauer und kalte Temperaturen verursachen lange Gesichter beim Frühstück. Für Nachmittag ist Wetterbesserung angesagt. Wir nehmen Abschied von der Simmshütte und ihren netten Wirtsleuten Claudia und Markus Karlinger und gehen bei leichtem Regen den Weg wie gestern bis zum Schneefeld hoch. Ab Mitte des Schutthangs, bei ca. 2.400 m, geht der Regen langsam in Schnee über. Von der Pracht der Wetterspitze sehen wir auch heute nicht viel. Weiter über Blockwerk aufwärts bis zum Kälberlahnzugjöchl (2585 m). Kurz dahinter führt der Weg 636 rechts hinunter in Richtung Kaiserjochhaus, wir halten uns links an den steilen Felswänden der Feuerspitze entlang, passieren eine wasserreiche Quelle, die unvermittelt aus der Felswand sprudelt, und erreichen schließlich das Stierlahnzugjoch (2596 m). Hier kommt mal wieder die Sonne raus und lässt uns fast die Kälte, die wir bisher zu spüren bekommen hatten, vergessen. Wir hangeln uns am Drahtseil die nasse, rutschige Rinne hinunter und biegen kurze Zeit später links ab, hinauf zur Feuerspitze. Bis auf eine abschüssige Stelle im unteren Bereich an einer Felswand ist der Aufstieg ein Wanderweg auf einem rotbraunen Schutthaufen – während die Wetterspitze aus einem grauen, harten Kalkstein aus der Zeit des Trias besteht ist die Feuerspitze ein Berg aus auffälligem roten Hornstein, Feuerstein und farbigem Radiolarit (frei nach Wikipedia), Sedimentgestein aus dem Jura. Im Aufstieg begleiten uns Graupel- und Schneeschauer, richtiges Islandwetter für ganz harte Burschen, und auf ihrem Gipfel sehen wir mal wieder nichts außer uns selbst, dem Kreuz und einer trüben Suppe um uns herum.

Auf der roten Schutthalde wachsen Moospolster und kleine Blümchentümpel, die jetzt mit Schnee und Graupel überzogen sind. Beim Abstieg wird’s, wie sollte es anders sein, wieder schöner und teilweise sonnig. Die weitere Querung führt uns über das Geröllfeld im Nordosten der Vordersee-Spitze oberhalb eines Quellzulaufs des Alperschonbachs, über Wiesenmatten, vorbei an einem Wasserhahn in einem Felsblock mit der Beschriftung „kein Trinkwasser“, und über das Flarschjoch (2464 m) zwischen Samspitze und Stierköpfl bis hin zu „unserer“ Ansbacher Hütte. Das Wetter hat sich wieder zu „beständig sonnig“ entwickelt. Hier treffen wir Frank und Gerald, die an diesem Wochenende zum Freischneiden der Zugangswege zur Hütte heraufgekommen sind. Hier ist etwas mehr Betrieb als auf der Simmshütte, unser Lager ist ziemlich gut bevölkert. Nach einem reichhaltigen Abendessen feiern wir mit einem guten Roten den Tourabschluß im Vorgriff.

Sonntag, 26.07.09

Der ganze Tag wird wolkenlos sonnig. Vor dem Aufbruch erläutert uns Hüttenwirt Erwin die neue Stromversorgungstechnik der Hütte– Solarenergie wird in Batteriereihen gespeichert; bei Engpässen erfolgt die Zulieferung von Energie aus einem mit Pflanzenöl betriebenen Aggregat.

Beim Aufstieg zur Samspitze, dem Hausberg der Ansbacher Hütte, erschließt sich uns ein herrlicher Blick über das Stanzer Tal, zum Hohen Riffler hinüber und hinter zum Arlberg-Gebiet. Vom Gipfel der Samspitze aus haben wir einen traumhaften Rundblick und sehen zum ersten Mal ungehindert Wetterspitze und Feuerspitze.

Der Abstieg Richtung Norden erfordert noch einmal etwas Klettergeschick; später erreichen wir den Weg 635, dem wir durch das Alperschontal nach Madau folgen. Er führt durch Lärchenwald, über Weidegründe, an den Wasserfällen des Alperschonbaches vorbei und oberhalb des „Klämmle“ entlang, durch dessen Felswände sich der Bach einen Weg gebrochen hat. Die botanische Vielfalt hier ist beeindruckend. Später überqueren wir den Bach über eine Schneebrücke,  die ein Lawinenabgang hinterlassen hat, und kämpfen uns durch Morast und Rindertritte bis zu einem breiten Fahrweg, der uns endgültig bis zum Wirtshaus in Madau führt. Die Rückkehr in die Zivilisation nutzen wir zu ausgiebigem Schlemmen, bevor uns ein Kleinbus zum Parkplatz bei Stockach zurückbringt.

Auch wenn die Tour Muskelkater hinterlassen hat – Zitat Georg in Madau: „Da im Schatten wird’s mir zu kalt“ und nach dem Versuch von der Bank aufzustehen: „is doch nicht zu kalt“ bleibt er sitzen…- es war eine wunderschöne, gemütliche aber dennoch teils anspruchsvolle Tour, die sicher keiner von uns missen möchte, und an dieser Stelle sei unserem Tourleiter Gerhard ein herzliches Dankeschön gesagt für die hervorragende Organisation und Führung sowie allen, die dabei waren, für das freundschaftliche und nette Klima in der Gruppe! Bis zum nächsten Mal!

Erika