Sie befinden sich hier: Startseite » Berichte » 2011 » Kajakkurs auf der Wiesent

Kajakkurs auf der Wiesent

16.07.2011 - 17.07.2011
Autor: Karin Steinert
Tour-Nr.: 2011/12

„Von einigen die auszogen das Kentern zu lernen“

Nach anfänglichem „kurzem Warten“ auf Franz und Julian, denn auch Fachübungsleiter können sich in der Uhrzeit täuschen, düsten wir los Richtung Osten.
Der Wetterbericht hatte für den Samstag prima Wetter mit warmen Temperaturen angesagt und so war es dann auch. Ein gutes Team (Franz, Julian, Timo und ich), Sonnenschein, ein kompetenter Anleiter, was soll da noch schief gehen?
Um uns erst einmal an die ungewöhnliche Situation - kopfüber in Wasser einzutauchen -  gewöhnen zu können, machten wir zunächst am Baggersee bei Hersbruck Halt. Kajaks abladen, Paddel aus dem Auto holen, umziehen, dann konnte es losgehen. In Form von so genanntem Trockentraining an Land erhielten wir zuerst Einweisung im Anziehen der Spritzdecke, was einen lustigen Anblick bot, vor allem wahrscheinlich für die ringsum badenden Gäste. Angetan mit unserem extravaganten Kleidungsstück übten wir nun, nach fachgerechter Anleitung durch Gerd, wie dieses im Kajak um den Süllrand zu legen ist, damit das Boot auch trocken bleibt. Hinten auf den Rand setzen, langsam nach vorne ins Boot rutschen, Sitzstellung wie ein Frosch einnehmen und dann von hinten her die Decke über die Einstiegsöffnung ziehen. Dann noch die Einführung ins Doppelpaddel, auch dies erst mal eine Wissenschaft für sich.
Gleich anschließend ging‘s ans Wässern der Kajaks, einsteigen und Decke überziehen. Ganz schön wackelig für den ersten Moment, aber nach ein paar Ruderschlägen hatten wir alle recht schnell ein gutes Gefühl für unser Gefährt. Nach einigen Minuten, mit Grundschlag, Geradeausfahren üben, was im Übrigen gar nicht so einfach ist, da so ein Kajak lieber im Kreis fahren möchte, lernte uns Gerd ein paar weitere Paddelschläge. So fuhren wir einige Zeit quer über den kleinen See, wendeten und hatten das Gefühl „uns kann jetzt keiner mehr“…
…weit gefehlt, denn nun ging es daran das Kentern einzuüben und im Kopfüber- Zustand die Spritzdecke zu lösen, dann noch mit einer gekonnten Rolle vorwärts aus der Bootsöffnung raus schälen. Kurz entschlossen, mit dem Mumm einer Frau, machte ich den Anfang, mit gekonntem Schwung ließ ich meinen Kajak kentern. Die Spritzdecke zu lösen war aufgrund der Festigkeit der Decke erst mal gar nicht so leicht, vor allem weil diese hinten etwas hängen blieb. An Rolle vorwärts war somit erst mal nicht zu denken. Aber was soll’s, rückwärts geht’s auch und schon war ich frei, zog mein Boot ans Ufer und leerte es, rückenschonend wie Gerd es uns zuvor gezeigt hatte.
Nun waren nacheinander die anderen dran und jeder meisterte die Aufgabe mit Bravur. Natürlich wurde diese Aktion noch ein paar Mal wiederholt, damit im Ernstfall auf dem Fluss nichts schief gehen konnte. Als Schmankerl zeigte uns Gerd noch wie man im Kajak sitzend, vom Steg aus in Wasser rutschen kann – nennt sich Seehundstart. Wir mussten dies alle natürlich gleich ausprobieren und fanden enormen Spaß an der Sache. Außerdem sollte uns dieses Manöver später noch von Nutzen sein.
Die Übungsphase war jetzt abgeschlossen und die Jungs – manchmal hat Frausein auch seine Vorteile-  luden die Kajaks aufs Autodach.
Auf ging es nun an die Wiesent, auf welcher wir unser Gelerntes umsetzen wollten. Gerd und ich brachten ein Fahrzeug zum Ausstieg und dann legten wir los. In der Strömung war das Paddeln dann doch noch etwas schwieriger, als auf dem ruhigen See, hatte aber den Vorteil, dass man sich auch mal treiben lassen konnten. Gerd hielt zwischendurch immer wieder an interessanten Stellen an, um uns neue Paddeltechniken zu erklären, das Einfahren ins Kehrwasser zu üben, wie das Boot seitlich mit dem Paddel gestützt werden kann…
 Durch die hervorragenden Einweisungen von Gerd meisterten wir die Fahrt bis zum Ausstieg mit viel Spaß und ohne zu kentern. Wir lernten die kleinen Wellchen zu lesen um somit nicht auf Felsen aufzufahren, wie in die Strömungen eingefahren werden soll und das Verhalten, wenn Äste sehr tief ins Wasser ragten. Kurz gesagt, wir erhielten viele lehrreiche Infos und hatten dann auch immer genug Zeit dies umzusetzen, bzw. es wenigstens zu versuchen. Vor allem kam der Spaß dabei nicht zu kurz und wir hatten alle zusammen einen wunderbaren Tag, welchen wir dann noch entspannt mit lecker Essen und trinken abschließen wollten.
Naja, so ganz entspannt ging es dann erst mal nicht weiter, da ich mein Fahrzeug beim Abstellen auf dem Parkplatz ein kleines Stückchen zu weit nach vorne geparkt hatte. Dies hatte dann aufgrund des aufgeweichten Bodens zur Folge, dass ich vom vor mir liegenden Graben nicht mehr wegkam und sich die Antriebsräder langsam in den Boden eingruben. Nach einigem Probieren mit Schleppen durch Gerd, gerissenem Abschleppseil und der Idee doch noch den ADAC zu rufen, kam uns ein netter Bauer zu Hilfe, der mein 2-Tonnen-schweres Fahrzeug wieder auf festen Boden zog.
Mit Freude über die gelungene Aktion konnten wir nun endlich zum gemütlichen Teil übergehen und uns in einem Biergarten ein super leckeres Essen mit einem ausgezeichneten Bier schmecken lassen. Hier beschloss dann scheinbar das Männerteam mich, wegen des vorangegangenen Vorfalles, zum Schreiben dieses Berichtes zu verurteilen, so als Wiedergutmachung. Zum Übernachten fuhren wir dann weiter zum Campingplatz von „Oma Eichler“, wo wir den Abend ausklingen ließen.
Der nächste Tag war dann vorerst nicht unbedingt durch Schönwetter gekennzeichnet, aber was soll’s, nass wird man eh und auf ging es zur letzten Etappe unseres Kajakabenteuers. Die ausgesuchte Route war einiges kürzer als die tags vorher, passte aber ausgezeichnet für die Wetterverhältnisse. Auf der Wiesent war einiges los und somit mussten wir gut aufpassen, dass wir nicht von einem der unkontrolliert über Wasser tobenden Boote gerammt wurden.
Hier vertieften wir dann noch einmal unsere Kenntnisse und Franz und ich schafften schließlich auch noch die versprochene halbe Rolle. Da wir alle recht gut zurechtkamen erhielten wir, zur Freude aller, noch die Möglichkeit ein natürliches Wehr abzufahren. Unerklärlicherweise verhielt sich mein Boot mal wieder nicht so wie ich wollte und ich düste mit Rückwärtsgang das Wehr hinunter. Alle anderen genossen das Hoppelgefühl über die unter der Oberfläche schlummernden Steine. Welche Technik hierbei nun die entspannendere war, liegt im Auge des Betrachters.
Zum Abschluss ging es dann noch mal durch eine kleine Öffnung eines Wehres abwärts, wo ein „Papparazzi“ auf uns wartete und einen kleinen Film von jedem von uns drehte. Nach Aufräumen, umziehen, Auto holen etc. ließen wir uns dann noch zum Abschluss in einem Gasthaus nieder. Hier reflektierten wir über die wunderbare Kajaktour, mit einem Leiter, der sein Handwerk versteht und mit viel Geduld, dem nötigen Ernst und guter Laune uns allen ein sicheres Gefühl im Kajak vermittelte.
Vorsicht!!! Kajakfahren hat Suchtcharakter - die Karin