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MTB-Tour Dolomitentrails

26.06.2011 - 30.06.2011
Autor: Roland Döllinger
Tour-Nr.: 2011/27

MTB-RundtourDolomitentrailsTour Nr.: 2011/27    26. – 30. Juni 2011

Abgekämpft, jeder mit einem breiten Grinsen im Gesicht, beendeten wir die dritte Etappe unserer Tour. Ein kilometerlanger Singletrail auf welligen 2400 Metern Meereshöhe mit Blick auf die Marmolada, die Königin der Dolomiten. Das war er also, der Bindelweg. Wie berauscht von diesem Teilstück mussten wir uns auf der Bindelhütte erst einmal sammeln, bevor wir dort unser Bettenlager beziehen konnten. Günter Wolf, unser Tourguide für diese Mountainbike Dolomitenrunde, hatte uns im Vorfeld nicht zu viel versprochen. Dieses Teilstück wurde am Abend mit einigen Litern Rotwein ausgiebig begossen.

Bereits am Sonntag den 26. Juni hatten wir unsere gemeinsame Tour in Ansbach am Vereinsheim begonnen, als wir unsere Bikes im Vereinsbus verstaut haben und um 8 Uhr früh losgefahren sind. Wir, das waren, Elke Bürkel, Günter Wolf, Roland Döllinger, Michael Schneider, Gerhard Ammon und Lukas Kulma. Nach der langen Schlechtwetterphase begrüßte uns pünktlich die Sonne in Zwischenwasser, wo wir unsere erste Etappe über 20 Kilometer und 1200 Höhenmeter begannen. Schon nach den ersten Metern fielen alle Alltagsgedanken ab und wir freuten uns auf die interessanten und anspruchsvollen Trails, die vor uns lagen. Die steile Auffahrt von Pederü zur „Rifugio de Fanes“ (2060m) verlangte schon am ersten Tourtag einiges von den Teilnehmern ab. Belohnt wurden wir mit einer exklusiven Unterkunft in traumhafter Lage.

Der zweite Tag begann mit strahlendem Sonnenschein. Wir mussten von unserem Nachtlager aus noch auf knapp 2200 Meter fahren, vorbei am Limosee,  bevor wir uns auf einen sehr langen Singletrail auf Stein und Wurzeln ins Tal nach Cortina d` Ampezzo  stürzten. Eigentlich hätten wir Cortina umfahren, mussten aber wegen eines Bremsendefektes dort einen Radladen aufsuchen, was den Teilnehmern eine gemütliche Kaffepause einbrachte. Von hier ging es in kontinuierlichen Serpentinen hinauf zur „Rifugio Croda da Lago“. Diese wunderschöne Hütte, gelegen an einem idyllischen Bergsee auf über 2000 Meter, wäre eigentlich unser Etappenziel gewesen. Da wir aber trotz Panne sehr gut in der Zeit lagen, beschlossen wir nach einer ausgiebigen Rast und einigen „italienischen“ Telefonaten von Günter, weiter bis Richtung Pescul zu fahren. Das bedeutete hinauf bis zum Scheitelpunkt auf 2300 Meter, dann anfangs auf felsendurchsetzten, später auf schönen Singletrails hinab ins Tal, wo wir gegen 18 Uhr die kurzfristig gebuchte Übernachtungsmöglichkeit bezogen.      

Die geplante Länge des 3. Tages verlangte einen zeitigen Aufbruch. So sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück schon um 8:30 Uhr in Richtung Alleghe aufgebrochen. Zuerst noch hoch auf der Straße, später auf steilen Schotterwegen und zuletzt auf einem gigantischen Singletrail abwärts zum Lago di Alleghe. Dieser Trail forderte Mann bzw. Frau und Material und zählt unter Bikern als Geheimtip. Auf einer Straßenpassage ging es dann in Richtung Arabba. Nach einer Mittagspause dort schlängelten wir uns kontinuierlich auf der Straße zum Pordoi-Pass, bevor wir auf halber Höhe wieder über Schotter und Stein im Gelände fuhren. Richtung Bergstation der Bahn in Arabba mussten dann auch die fittesten Teilnehmer ihre Räder schieben, bei Steigungen jenseits der 20%. Auf gut 2400 Metern kamen wir dann zum Beginn des am Anfang bereits beschriebenen Bindelweges. Beinahe hätten wir den ersten Wildschaden gehabt, als fast ein unachtsames Murmeltier Günters Vorderreifen zum Opfer viel. Es hatte wohl in dieser Höhe zu dieser Zeit nicht mehr mit anderen „Wegefährten“ gerechnet. Günters perfekte Radbeherrschung rettete dem trolligen Vierbeiner wohl das Leben.

Ein wunderbarer Sonnenaufgang läutete den vierten Tourtag ein. Den Rest des Bindelweges folgend machten wir uns auf einem sehr anspruchsvollen Singletrail zum Pordoi-Pass, von dort wir zuerst auf Straße, später auf Waldwegen ins Tal rasten. Auf der anderen Talseite ging es hinauf, parallel zum Passo Campolongo und dann zur Hütte Pralongia, wo wir eine kurze Rast einlegten. Anschließend ging es ins Tal nach San Casiano, bevor wir uns auf einer langgezogenen Steigung in Richtung Heiligkreuzkirche aufmachten. Teils schiebend, teils fahrend, näherten wir uns unserem letzten Übernachtungsquartier unterhalb des Kreuzkofel. In dieser Hütte übernachteten wir als eine der wenigen Gäste um diese Jahreszeit in einem Einzel- und einem Fünferzimmer. Die kleinen Betten in Reih und Glied ließen zu später Stunde noch lustige Zwergenstimmung aufkommen. Schneewittchen schlief derweilen schon nebenan.

Als wäre es abgesprochen gewesen, empfing uns der letzte Tourtag mit strömendem Regen, um uns den Abschied zu erleichtern. So musste die ursprünglich geplante Route verändert werden, da auf dem rutschigen Untergrund erhöhte Sturzgefahr herrschte. Mit spritzenden Reifen und ausreichend Regenschutz fuhren wir ab ins Tal nach La Val. Von dort ging es auf der Straße zurück zu unserem Ausgangspunkt nach Zwischenwasser, wo wir unsere Räder wieder im Bus verstauten und uns trockneten. Während dessen kam auch die Sonne schon wieder heraus und verabschiedete uns zurück ins kühle Deutschland.

Eine grandiose Tour, die landschaftlich alles zu bieten hatte. Die exzellente Routenführung von unserem Bike-Guide Günter Wolf tat sein übriges dazu, sodass sich keiner der Teilnehmer über- oder unterfordert fühlte. Ein Kompliment an alle Teilnehmer für die Disziplin während der Tage und die vielen lustigen Abende.  

Die einzelnen Etappen in der Übersicht:

  1. 1.     Tag      Zwischenwasser          -           Rifugio de Fanes         22 Km, 1280 Hm
  2. 2.     Tag      Rifugio de Fanes         -           Rifugio Aquileia          45 Km, 1450 Hm

 

  1. 3.     Tag      Rifugio Aquileia                      -           Bindelhütte      48 Km, 2200 Hm

 

  1. 4.     Tag      Bindelhütte                  -           Heilig Kreuz                38 Km, 1380 HM

 

  1. 5.     Tag      Heilig Kreuz                -           Zwischenwasser          20 Km,       0 HM

 

 

Schöner Singletrail nach Pescul
Im Schneefeld unterhalb von Porta Vescovo
Der kilometerlange Bindelweg
Das Team auf der Bindelhütte
Über dem See von Alleghe
Rückblick auf die Sellagruppe
Blick auf die Marmolada