Hochtour Haut Dauphiné - Barre des Écrins

01.08.2011 - 04.08.2011
Autor: Julian Wolf
Tour-Nr.: 2011/34

 

Montag in aller Früh, so gegen 4 Uhr, ging es los: Sieben Ansbacher machen sich auf den Weg in Richtung Frankreich, genauer gesagt in Richtung Dauphine-Alpen. In den Autos sitzen Armin als Guide, Elke, Erika, Anja, Günter, Johannes und ich. Über Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich und zahllose Mautstationen erreichen wir letzten Endes nach über 10 Stunden Fahrt die Parkplatzwüste am Refuge Cezanne (1874m). Als sich alle fertig bepackt haben, geht es auf einem breiten Wanderweg inmitten von gewaltigen Menschenmassen hinauf zum Refuge du Glacier Blanc auf 2542m. Hier stellten wir fest, Schock schwere Not, dass es auf dieser Hütte kein Klopapier gibt. Das heißt, ab sofort Servietten einstecken und Taschentücher sparen! Der ursprüngliche Plan für den nächsten Tag ist um 7 Uhr aufzustehen und nach dem Frühstück über das Refuge des Ecrins (3175m) auf den Pic de Neige Cordier (3614m) aufzusteigen und anschließend auf dem Refuge des Ecrins zu übernachten. Als wir dies der Hüttenwirtin beim Abendessen erläutern schüttelt diese den Kopf und wirft den ganzen Plan über den Haufen: Pic de Neige Cordier ist derzeit nicht zu machen (zu viel Neige), also empfiehlt sie uns um vier Uhr aufzustehen und den Rauche Faurio (3730m) zu erklimmen. Gesagt getan, die Frau wird’s schon wissen, also siedeln wir in ein Vier-Uhr-Wecken-Lager um.

 

Am Dienstag wandern wir also nach dem Frühstück im Schein der Stirnlampen in Richtung der zweiten Hütte los, wo wir dann einen Teil des Gepäcks deponieren und nach einer kurzen Pause anseilen und in Richtung Rauche Faurio aufbrechen. In zwei Seilschaften zu drei und vier Personen folgen wir also der „Gletscherautobahn“ über den Glacier Blanc in Richtung Barre des Ecrins, verlassen diese dann aber rechter Hand und gehen über eine etwas steiler ansteigende Flanke bis zum Grat. Nach einer kurzen Pause geht’s wieder hinunter – am Steilstück sogar mit Hilfe einer Sicherung über Eisschraube (dieser Vertrauen zu schenken fordert aber wegen des weichen Schnees ein nicht unerhebliches Maß an Optimismus). Die letzten 100 Höhenmeter vom Gletscher zur Hütte haben es dann nochmal richtig in sich, aber letzten Endes ist es geschafft und wir können dort angekommen entspannt die Füße hoch legen und literweise Gletscherwasser süffeln. Und, wichtige Entdeckung, hier oben gibt es zu unserer Freude sogar (manchmal) Klopapier!

Abends auf der Hütte gibt’s dann viel – und vor allem gutes – Essen und anschließend die tägliche Ansprache des Wirtes: Am nächsten Tag wird das Wetter grundsätzlich schön, Nachmittags soll es aber schlechter werden oder sogar ein Gewitter aufziehen, weshalb schon kurz vor drei geweckt wird und es um drei Frühstück gibt. Aus diesem Grund verschlägt es nach dem Essen dann auch ganz schnell den Großteil der Gäste in die Lager – uns einbegriffen.

 

Bonjour bonjour...“... mit diesen Worten endet die Nacht für die meisten von uns. Erika darf noch weiter schlafen, weil sie einen etwas ruhigeren Tag einlegen möchte und Günter schläft tief und fest weiter während der Rest schon am Frühstückstisch sitzt. Als er dann letzten Endes auch aus dem Bett gekrochen ist und sich alle im Kuddelmuddel des allgemeinen Aufbruchs fertig gemacht haben geht es gegen kurz vor vier vor der Hütte los in Richtung Barre des Ecrins. Wie eine lange Schlange zeichnen die Lichtpunkte der Lampen etlicher Seilschaften vor uns eine Spur über den Glacier Blanc und die Flanke des „Kupfn“. Je heller es wird, desto deutlicher wird auch, dass das Wetter wohl doch nicht so schön ist wie am Vortag. Den ganzen Weg hinauf stiefeln wir durch eine dicke Suppe die uns nichts von der Umgebung sehen lässt. Gegen acht Uhr ist es dann so weit und wir stehen (vermutlich) auf dem Gipfel des Dome de Neige des Ecrins (4015m), sozusagen des kleinen Vorgipfels des Barren. Auf Grund der schlechten Sicht, des eisigen Windes und des Berichtes einer Seilschaft die uns entgegengekommen war und den Grat auf den Hauptgipfel abgebrochen hat, beschließen wir darauf zu verzichten und machen uns wieder auf den Weg nach unten. Wieder auf dem Glacier Blanc angekommen müssen wir mit Bedauern feststellen, dass rundherum wunderschönes Wetter ist und die Sonne scheint, nur „unser“ Gipfel ist in dichtem Nebel verschwunden. Gegen Mittag sind wir wieder auf der Hütte, wo wir uns in die Sonne setzen und den Tag entspannt ausklingen lassen. Nachdem beim Abendessen der Beschluss fällt, am nächsten Tag wieder zum Auto abzusteigen – das Wetter soll, so haben wir den Wirt verstanden, wieder so werden wie heute – heißt das für uns: Aufstehen erst um sieben Uhr! Da kann man ja richtig einen drauf machen, darum geht’s für uns auch erst gegen halb neun ins Lager.

 

Am Donnerstag stehen wir also erst zum letzten Frühstück und furchtbar ausgeschlafen auf, packen anschließend unsere Rucksäcke und spazieren erst über den Gletscher, weiter unten dann über den Wanderweg an der tiefer gelegenen Hütte vorbei ins Tal. Dabei genießen wir bestes Wetter und Sonnenschein, und wie schon beim Aufstieg treffen wir den ganzen Weg über auf gigantische Menschenmassen. Manch einer davon hält uns wohl auf Grund unserer Rucksäcke (und unter Umständen auch des Geruchs wegen) für mehr oder weniger wahnsinnig, manch anderer beneidet uns wohl darum, dass wir schon bergab laufen. Wieder am Auto angekommen bringen wir getragene Schuhe und Klamotten recht schnell auf Distanz zu uns, besetzen die Autos und machen uns auf den Heimweg. Abends gibt’s dann einen kurzen Abstecher nach Como zum Essen, der dann aber doch ein bisschen länger und zu einer Nacht im Bungalow wird, bevor es Freitag Früh dann vollends nach Hause geht – für die einen durch eine Schlucht, für die anderen daran vorbei.

 

Alles in allem waren das ein paar super Tage die viel Spaß gemacht haben, und dafür bedanke ich mich – und ich denke da kann ich für die anderen Teilnehmer auch sprechen – bei unserem Guide Armin für die Organisation, Planung und Durchführung dieser tollen und bestimmt nicht selbstverständlichen Tour!

 

 

Barre des Ecrins und Dome de Neige links, Refuge des Ecrins rechts
Gipfelfoto Dome de Neige (1)
Gruppenfoto vor dem Barre des Ecrins
Glacier Blanc und Barre des Ecrins im Sonnenaufgang
Gipfelfoto Dome de Neige (2)
Barre des Ecrins im Sonnenaufgang
Aufstiegsspur zum Barre des Ecrins/Dome de Neige
Abstieg vom Rauche Faurio
Abstieg vom Refuge des Ecrins über den Glacier Blanc