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Klettersteige Sextener Dolomiten

05.08.2011 - 09.08.2011
Autor: Bernd Swoboda
Tour-Nr.: 2011/36

Bericht eines Nordlichts, das im Süden unterwegs war

Teilnehmer: Norbert, Rudi, Franz, Rosi, Christine, Manfred, Michi, Bernd

Tourenführung: Gerhard Zumach

Bericht von einem Nordlicht aus Königreich (in der Nachbarschaft von Buxtehude), für das im täglichen Leben eine Deichhöhe von 8,50 m NN schon bemerkenswert ist und das sich jedes Mal freut, an einer Sektionstour teilnehmen zu können.

Wasserdichte Schuhe sind eine feine Sache! Es gibt nur ein Problem- wenn auf normalem Weg kein Wasser hineinkommt, kommt auch keines heraus. Aber auch so einem Übel kann man eine positive Seite abgewinnen. Norbert hat es so formuliert: Dann ist dieser Aufstieg eben eine Kneipp-Kur, denn die Jünger des Pfarrers Kneipp laufen ja auch im Wasser herum! Na ja!

Die Rede ist vom Aufstieg von der Talschlusshütte (1548 m) zur Drei-Zinnen-Hütte (2405 m). Parken mussten wir talabwärts an der Straße. Italien hatte Urlaub, und entsprechend voll war der Parkplatz, so dass wir abgewiesen wurden.

Das bisschen Regen am Beginn des Aufstieges war nicht der Rede wert- aber dann plötzlich ein Gewitterschauer, der sich schließlich über zwei Stunden ausdehnte. Ergebnis: s.o.! Eine recht feuchte Angelegenheit!

Angesagt auf der Hütte war also erst einmal ein großes Trockenlegen. Nur etwas schwierig angesichts der etwas ungünstigen Bedingungen in dieser Hinsicht (Trockenraum ???). Auch die Sicht, die vielleicht hätte entschädigen können, war nicht berauschend. Wände, Gipfel –die ganze Bergwelt- ließen sich eigentlich nur erahnen. Schade! Etwas versöhnt wurden wir aber dann durch das nachfolgende gute Essen.

Am nächsten Morgen jedoch –oh Wunder- gab es eine kurze Zeitspanne mit ziemlich guter Sicht. Die ganze Pracht der Drei-Zinnen in all ihrer Gewalt und Größe war einen Augenblick zu genießen. Beim Aufstieg zum Paternkofel

(2742 m) zog es sich schnell wieder zu. Nur stellenweise waren Aus- und Überblicke möglich. Gerhard bemühte sich immer wieder, diese kurzen Zeiten für Erläuterungen und Hinweise zu nutzen. Der Klettersteig und der Tunnel waren gut zu bewältigen. Ein wenig bedrückend war nur die Vorstellung, dass die Steige, Tunnel und Feuerstellungen im Zusammenhang mit einem mörderischen Krieg entstanden sind. Wie viel Leid und Entsetzen mögen diese Felsen gesehen haben! Der Aufstieg auf den Paternkofel war also schon ein beeindruckendes Erlebnis der besonderen Art! Auf dem Gipfel –wie gehabt- schlechte Sicht, und auch die übrigen Bedingungen luden nicht zu einer langen Gipfelrast ein. Der Abstieg dann über den Klettersteig zum Büllelejoch und die Büllelehütte zur Zsigmondy-Hütte (2224 m) war dann kein Problem mehr. Bemerkenswert auf dieser Hütte waren der hervorragende Trockenraum für unsere immer noch nassen Schuhe und nasse Kleidung und das gute Essen. Von hier aus stiegen wir am folgenden Tag zur Hochbrunner Schneid auf (3046 m) – eine zum Teil sehr anstrengende Angelegenheit (man kann auch sagen: eine elende Schlaucherei). Auf dem Gipfel –nun, das kennen wir schon. Aber schön war es trotzdem!

Schön und interessant sind aber nicht nur die Erlebnisse und Erfahrungen am Berg; was mich immer wieder beeindruckt, sind auch die gruppendynamischen Prozesse –wie aus Einzelpersonen mit all ihren Eigenschaften und auch Eigenarten schon nach kurzer Zeit eine Gruppe wird, die vertrauensvoll, kameradschaftlich und hilfsbereit miteinander umgeht. Ich denke, die Welt der Berge trägt ihren Teil zu diesem Prozess bei; macht sie uns doch deutlich, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind, wenn wir in ihr bestehen wollen! Vielleicht macht das für mich auch einen Teil der Faszination von Bergtouren aus.

Den Abstieg über den Alpinisteig am nächsten Tag mussten wir wegen der Wetterbedingungen ausfallen lassen –auch das bedauerlich! Stattdessen direkter Abstieg zur Talschlusshütte und Rückkehr mit dem Sektionsbus noch am selben Abend. Besonders für mich waren es erlebnisreiche Tage mit vielen schönen Eindrücken und neuen Erfahrungen.

Paternkofel
Klettersteig Paternkofel
Paternkofel Gipfel
Innerkofler Steig
Talabstieg