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Hochtour Berner Oberland

23.07.2011 - 27.07.2011
Autor: Peter Jörg
Tour-Nr.: 2011/32

Wiederholung der Tour im nächsten Jahr bei schönem Wetter

Teilnehmer: Gunther Leher, Matthias Schwab, Klemens Heumann, Conny Heisinger, Lukas Nietsch und FÜL Peter Jörg

 Bereits um 4 Uhr in der Früh starteten wir am Vereinsheim in die Schweiz. Planmäßig parkten wir in Reichenbach um mit der Bahn noch nach Kandersteg weiter zu fahren. Am Bahnhof fragte ich einen Busfahrer nach den Verbindungen als fast zeitgleich ein Zug einfuhr, welcher stündlich nach Kandersteg ging. Perfektes Timing dachte ich mir und mit einem kurzen Sprint durch den Bahnhof sprangen wir in den Zug. Bei Verhandlungen mit dem Schaffner fragte er mich nach der Anzahl der Personen. Hier bemerkte die Gruppe, dass einer fehlte..... Nach kurzer Recherche fiel uns ein dass Matthias noch zum Bankomaten wollte. Der stand nun in Reichenbach und wir im Zug. Also eine Stunde in der Bahnhofskneipe warten bis zum nächsten Zug. Aus diesem stieg aber auch kein Matthias aus. Wir schmiedeten Pläne zur weiteren Vorgehensweise als unser Verschollener plötzlich des Weges lief mit der trockenen Bemerkung:“Mich kriegt Ihr nicht so schnell los.“

Er hatte sich mit Bus und Anhalter durchgeschlagen.

Erleichtert stiegen wir in die Gondel um uns die ersten 400 Höhenmeter zu ersparen. Vorbei gings am traumhaft gelegenen Oeschinensee hinauf zur ca. 1000m höher liegenden Fründenhütte auf 2562m. Unser erstes Gipfelziel, das Doldenhorn, wurde mitsamt seinem Anstieg, dem Galletgrat, durch die Wolken zeitweise freigegeben. Ab ca. 2600m in weiss! Am letzten Aufschwung zur Hütte begleitete uns ein kräftiger Schneeschauer. Danke Petrus.. 

Wir waren die einzigen Gäste auf der Hütte und der Wirt freute sich dass er Arbeit bekam. Einen Liter Tee, ein Bouillion, einen Liter Tee, ein Bouillion usw. . Nach ca. zwei Stunden war jeder wieder auf Normaltemperatur. Die Planung für den nächsten Tag blieb offen, da nochmals eine Störung     des Herrn Holle angekündigt war. Übersetzt : Am nächsten Morgen waren wir eingeschneit, runter bis 2000m. Petrus, nochmals danke....

Das Doldenhorn wurde gestrichen und der für den übernächsten Tag geplante Übergang zur Blümlisalphütte stand an. An den ca. 800m hohen Wänden der Ostseite des Oeschinensees schlängelte sich das „Früntenschnürl“ hindurch, ein sehr ausgesetzter Steig. Einmal abrutschen bedeutete nach einem 500m Flug einmal baden gratis. Nach einem Einkehrschwung in einer urigen Alm stiegen wir dann mühsam hinauf zur Blümlisalphütte 2834m.

Unser nächstes Ziel, das Blümlisalphorn 3661m lag vor uns. Das Nachtmal war reichlich und die Hütte sehr gemütlich. Beim Gespräch mit dem Hüttenwirt wurde klar, dass wir am nächsten Tag die einzigen waren, die den Gipfelanstieg planten.

Um 4:30 Uhr stand ich mit dem Wirt in der Küche und wir schauten uns die Wetterprognose für den Tag an. Diesmal hatten wir Glück und um 6 Uhr standen dann alle abmarschbereit unter Einhaltung der Bergsteigerregel Nr. 1 ( diese kann von A.P. aus H. erklärt werden ), vor der Hütte.

Die erste halbe Stunde noch mit Stirnlampe, danach im Nebel spurten wir den Gletscher hinauf. Jeden Schritt, den ich für die Gruppe antrat war anfangs zwischen 20 und 40cm hoch, und als ich auf dem angefrorenen Schnee stand brach ich ein. Das ganze in Schlangenlinien durch die Spalten bis zum ersten Sattel auf ca. 3150m. Jetzt hieß es wieder ca. 150m Abstieg in ein Gletscherbecken unterhalb des Gipfels, der jetzt nach aufgelöstem Nebel in voller Pracht über uns in die Sonne ragte. In diesem Teil des Gletschers bis zum nächsten Gegenanstieg wechselte ich die Seilschaftsführung drei mal durch, da meine Oberschenkel Pause brauchten. Hier merkten alle sehr schnell, wie mühsam dieses Spuren war und sie mussten aufpassen dass sie nicht beim Spuren mit dem Steigeisen auf ihre Zunge stiegen :-). Im Anstieg zum Rothornsattel 3178m übernahm ich wieder die Führung. In der Sonne war der Schnee jetzt angetaut. In dieser ca. 40 ° Flanke versank ich jetzt bei jedem Schritt öberschenkeltief. Dennoch erreichten wir mühsam den Sattel. Der weitere Gipfelanstieg, normalerweise ein Felsgrat zum Klettern, war mit einem Eispanzer überdeckt. Da mit sechs Personen der Zeitaufwand zu groß war um hier durchzuklettern, war klar, dass der Gipfel nicht erreicht werden konnte. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht aber ich beschloss die Tour abzubrechen. Eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen auf der Hütte im Sonnenschein sollte entschädigen. Das mit der Sonne gönnte uns der Petrus auch nicht, denn an der Hütte angekommen war es schon wieder zugezogen.

Wir konnten am Morgen im Aufstieg gut in die anderen Gipfel einsehen. Unser nächstes Ziel, das Gspaltenhorn, war ebenso mit Neuschnee überwächtet. Auch hier hätte uns ein mühsamer Anstieg  und eine anstrengende Kletterei im Schnee erwartet. Da die Wetterprognose uns für den Folgetag wieder eine leichte Störung ankündigte, wurde im Rat der gefrorenen Nasen ein Abbruch der Tour besiegelt.

Nach einem gemütlichen Abend stiegen wir morgens zur Griesalp ab. In einer Käserei wurden die Rucksäcke noch gefüllt. Da uns der Bus vor der Nase weggefahren war, fuhr ich mit einem netten Postboten nach Reichenbach um den Bus zu holen.

So kamen wir am 26.7. um ca. 18 Uhr, trotz allen Umständen mit tollen Erinnerungen, gesund in Ansbach an.

Eines steht aber heute schon fest: Diese Tour wird nächstes Jahr wiederholt !

 

 

 

Abbruch am Rothornsattel
Abstieg zur Hütte
Aufstieg Blümlisalphorn
Aufstieg zur Früntenhütte
Blümlinsalphütte
Rothornsattel
Übergang zur Blümlisalphütte
Wegbegleiter