Sie befinden sich hier: Startseite » Berichte » 2012 » Skihochtour Adamello

Skihochtour Adamello

19.04.2012 - 23.04.2012
Autor: Wolf Günter
Tour-Nr.: 2012/21

Grandioser Gletscher am Gardasee

Eigentlich hatte alles recht gut angefangen.

Übernachtung in Ponte di Legno, gemütliches Frühstück um Acht, Auffahrt zum Passo Tonale und bei bestem Wetter mit Liftunterstützung auf 3000m. Danach sollte eine lockere Tiefschneeabfahrt (nachts hatte es 20 cm Neuschnee gegeben) zur Hütte folgen. Die Gemeinschaftstour mit der Sektion Heidelberg versprach Schneegenuss pur. Unser Team bestand aus Fritz und Armin von der Sektion Heidelberg, Ronald, Elke, Roland, Julian und ich vertraten die  Ansbacher Sektion. Die Führung hatten Fritz und Ronald gemeinsam. An beide ein herzliches Dankeschön.

Die restlichen 30 Höhenmeter vom Liftausstieg zum Sattel hatte Ronald schnell gespurt. Auf der anderen Seite war es zwar nicht mehr sonnig, jedoch schien das Wetter durchaus akzeptabel. Die ersten Abfahrtsmeter zeigten jedoch schon die Tücken des Schnees. Windverpresst und teilweise mit Bruchharschdeckel versehen, absolut nicht schön zu fahren. Im Laufe des Tages wurde der Schnee immer schwerer und ich konnte überrascht feststellen, wie perfekt manch einer die Spitzkehre auch steil abwärts beherrscht.

Dann ging es ganz schnell. Die Sicht wurde immer schlechter, die Orientierung richtig schwer und eh wir uns versahen, waren wir ins falsche Seitental eingefahren.

Jetzt schaufelte Fritz schon seit über 15 Minuten und Armin versuchte es mit der Sonde. Inzwischen war auch ich wieder zu den beiden hochgestiegen, Roland folgte 50m hinter mir. Trotzdem brauchten wir vier noch über eine Stunde um fündig zu werden. Die anderen drei waren nicht zu sehen, warteten aber ca. 50 Höhenmeter weiter unten. Hätten wir den Ski von Fritz nicht gefunden, wir hätten ein ernstes Problem gehabt. 

Die anschließenden zwei Versuche, über den uns trennenden Felskamm westlich ins richtige Tal zu kommen scheiterten jeweils an den steil abfallenden Wänden auf der anderen Seite.

Also musste die von Ronald ausgegebene Devise „Abfahrt bis zum querenden Sommerweg auf 2153m als Auffanglinie“ herhalten. Mit Adleraugen näherten wir uns der vorgegebenen Höhe und wurden trotz massig Schnee tatsächlich fündig. Bei sehr schlechter Sicht spurten wir dann (teils abenteuerlich auf dem Sommerweg, später verloren wir ihn aber wieder) bis auf die Hüttenhöhe und querten die Hänge danach bis zu unserem Ziel. So kamen wir abends geschafft aber zufrieden auf dem Rifugio Mandrone (2450m) an.

Samstag sollte der schönste Tag der Woche werden. Unser Ziel war das Rifugio Adamello Lobia Alta auf 3030m und wir starteten bei strahlendem Sonnenschein in einer unglaublich schönen Gletscherlandschaft. Dieser Aufstieg brachte Genuss vom feinsten. Eigentlich wollten wir, zur besseren Akklimatisierung, nach der Hüttenankunft am Nachmittag nochmals losziehen und einige hundert Höhenmeter zusätzlich gehen und so den Tag ausfüllen. Der Schnee zeigte sich jedoch so toll, dass der Plan über den Haufen geworfen wurde und jeder nach Lust und Laune den steilen Hüttenzustieg mehrmals fahren konnte. Hier waren Julian, trotz Seil im Rucksack, und Elke nicht zu bremsen. Sie gaben sich die jeweils 250-300 hm zusätzlichen Aufstieg des öfteren.

Die Vorhersage für Sonntag versprach leider nichts Gutes. Bis mittags sehr durchwachsenes, eher schlechtes Wetter, von ca. 13 Uhr bis 16 Uhr deutliche Besserung und danach wieder bis einschließlich Montag sehr schlecht.

Trotzdem wollten wir versuchen, am nächsten Tag den Adamello zu bezwingen.

Der Sturm in der Nacht ließ jedoch nichts Gutes ahnen und um Acht beim Frühstück war die Sicht mehr als bescheiden. Wir beschlossen zu warten, die Sicht im „kleinen Schneesturm“ wurde aber immer schlechter und irgendwann war klar, dass es nur noch darum ging, zur vorherigen Hütte oder noch besser zum Passo Tonale zurückzukommen. Die mit uns festsitzenden zwei Dreiergruppen (ortskundige Einheimische) sahen das genauso, gemeinsam warteten wir auf das angekündigte „drei Stunden“ Zeitfenster.

Gegen dreizehn Uhr ging es dann sehr schnell. Minimale Sichtverbesserung und nachlassender Wind.

Alle sind auch ohne Kommando in Aufbruchstimmung und ruckzuck fertig. Die zwei italienischen Gruppen sind schneller als wir, die ersten fahren bereits bei ca. 60 cm Neuschnee den steilen Zustiegshang ab, die drei italienischen Schneeschuhgeher müssen sich nach unten kämpfen. In dieser Situation beglückwünsche ich mich wieder einmal, Tourenski unter den Füßen zu haben. Der Hang ist steil, aber auch bei dieser Neuschneehöhe traumhaft zu fahren. Leider, wie immer in solchen Situationen, viel zu kurz.

Mit jeder Minute wurde das Wetter besser und bald fuhren wir tatsächlich bei Sonnenschein zurück in Richtung Rifugio Mandrone. Aufgrund dessen war klar, dass wir die 600 hm Aufstieg  zum Passo Tonale  sofort angehen würden. Tolle Landschaft und Schneegenuss, Elke, Julian und ich konnten sogar noch eine zusätzliche Tiefschneeabfahrt einlegen bis der Rest der Gruppe nachkam. Danach durften wir am Abend alle noch über 1200 hm Pistenabfahrt im Tiefschnee genießen ( Die Pistenbediensteten waren zu unserem Glück der Schneemassen nicht Herr geworden).

Was bleibt ist die Erinnerung an eine Traumlandschaft und tolle Tourenkollegen aus Ansbach und Heidelberg.

 

Aufstieg auf den Sommerweg
Blick auf den Adamello-Gletscher
Pause
Ankunft am Rifugio Adamello
Hektischer Aufbruch
Ein Blick zurück