Mountainbike Alpencross - die schönsten und längsten Abfahrten der Alpen

21.07.2012 - 26.07.2012
Autor: Fabio Wolf
Tour-Nr.: 2012/34

1. Etappe: Gries am Brenner – Jaufensteg / Ridnauntal (↑1400 Hm, ↓1300 Hm, 43 km)

Los ging die Fahrt am Samstag in der Früh am Vereinsheim mit dem mit sieben Mountainbikern besetztem Bus gen Süden. Mit mir an Bord waren unser Guide Günter, Ronald,  Roland, Ralph und unsere zwei Michels. Als wir am Parkplatz in Gries ankamen, fing es prompt an zu regnen. Nichtsdestotrotz luden wir die Räder aus und zogen uns wetterfest an. Nach dem üblichen Bike-Check fuhren wir hinauf zum schön gelegenen Obernberger See, den wir allerdings wegen Wetter und bevorstehenden Höhenmetern schnell hinter uns ließen. Weiter ging’s bei schlechter Sicht, bis der Weg immer schmaler und steiler wurde, sodass wir unsere Bikes das letzte Stück schieben und tragen mussten. Angekommen am Portjoch (2109 m) querten wir bei besserndem Wetter auf einem ausgesetzten Trail hinüber zum Sandjöchl (2169 m). Die anschließende super Abfahrt nach Sterzing runter war glücklicherweise schon abgetrocknet, weiter ging´s ins Ridnauntal zum Gasthof Jaufensteg.

2. Etappe: Jaufensteg – Schneeberghaus (2355m) (↑1700 Hm, ↓500 Hm, 27 km)

Nach ordentlichem Frühstück fuhren wir am nächsten Morgen zum Talende, vorbei am Bergwerksmuseum Maiern. Von dort ging es anfangs sehr steil, später etwas flacher aber völlig konstant in wunderschöner Landschaft hinauf. Nach Rast an der Moarerberger Alm waren 600 Hm schieben und tragen angesagt! Den kalten Wind im Nacken kamen wir oben auf der Schneebergscharte (2665m) an, wo wir uns erst mal ein windstilles Plätzchen suchten, um die Sonne zu genießen! Uns entgegenkommend stürzte sich gerade eine Gruppe Schweizer den schweren Weg hinab, sodass wir große Augen bekamen. Da wir nun gesehen hatten, wie man es richtig macht, wagten wir uns auch an unsere Abfahrt zum Schneeberghaus hinunter – und der Eindruck von oben hatte nicht getäuscht – der Trail war grandios!

3. Etappe: Schneeberghaus – Stettiner Hütte (2875m) (↑1900 Hm, ↓1500 Hm, 35 km)

Montag morgen durften wir uns erst einmal auf 1500 Hm Abfahrt freuen. Zu Beginn ein ordentlich felsdurchsetzter und sehr spaßiger Trail – der uns bereits nach 15 Min. den ersten Platten dieser Tour bescherte – und weiter über einen Forstweg. Mit nun erhöhter Geschwindigkeit fuhren wir das Tal hinab. Das letzte Stück nahmen wir den Fernwanderweg E5, der sich in schöner Landschaft am Rande einer Schlucht zum nächsten Ort, Moos im Passeiertal, entlang zog. Nach kurzer Rast – die Abfahrt lag hinter uns und es waren noch knapp 2000 Hm zu bewältigen –  strampelten wir über Straßen bei eher sanfter Steigung nach Pfelders, von dort über einen breiten Wanderweg weiter zur Lazinser Alm. Hier legten wir nochmal eine Pause ein, denn die nächsten 1000 Hm durften wir schieben und tragen! Nach dem ersten Stück wurde der Weg so steil und stufig, dass wir die Bikes überwiegend auf den Schultern hatten. Erschöpft, aber rundum glücklich, kamen wir auf der Stettiner Hütte (2875m) an und konnten wohlverdient noch die Sonne auf der Terrasse genießen!

4. Etappe: Stettiner Hütte – Vigiljoch (1793m) (↑1480 Hm, ↓2360 Hm, 43 km)

Am nächsten Morgen gings noch kurz bis zum Eisjöchl (2895m) hinauf, dem Startpunkt unserer knapp 2400 Hm langen Abfahrt – davon waren die ersten 900 Hm ein einzigartiger und anspruchsvoller Trail, bei dem wir auch dreimal einen Platten wechseln mussten. Als einer der Teilnehmer an einer schweren Stelle von Wanderern gefragt wurde, ob das denn Spaß mache, war die klare Antwort: „Nein, hier geht’s ums Überleben!“ Am Eishof (2076m) genossen wir den einen oder anderen Cappuccino in der morgendlichen Sonne. Die weiteren Höhenmeter „vernichteten“ wir entweder auf breiteren Wegen und Straßen oder aber auf dem teils schwierigen Meraner Höhenweg. Für das letzte Stück wollten wir eigentlich am Schloss Juval die Trails unsicher machen, allerdings war der Weg dorthin leider gesperrt, sodass wir auf der Straße blieben. Nach dieser (gefühlt unendlichen!) Abfahrt pausierten wir in Naturns und machten uns schließlich an den langen, aber komplett fahrbaren Anstieg zur Naturnser Alm (1922m). Dort trudelten wir nach und nach erschöpft ein und ließen uns noch eine Weile die Sonne auf den Bauch scheinen. Bei heranziehendem Gewitter ging es schließlich noch rüber zum Vigiljoch.

5. Etappe: Vigiljoch – Gasthof Grüner Baum (↑1160 Hm, ↓1550 Hm, 36 km)

Weiter ging das Abfahrtsvergnügen! Lange Zeit über steile und anspruchsvolle Wurzel-Trails durch den Wald nach Marling und weiter nach Meran. Dort folgte ein riesiger Eisbecher für jeden. Anschließend die Straße nach Hafling hoch und den Forstweg nach Waldbichl weiter über teils sehr steile Rampen, bei denen auch die Fittesten noch mal ordentlich zum Schnaufen kamen. Es folgte eine letzte Einkehr, bevor wir weiter zum „Grünen Baum“ fuhren, unserem letzten Nachtquartier.

6. Etappe: Grüner Baum – Bozen (↑820 Hm, ↓1820 Hm, 42 km)

In der Früh machten wir uns gleich an den letzten Anstieg dieser Tour. Über einen Forstweg hinauf zum Auener Jöchl und weiter zum Stoanerner Mandl (2001m), einem mit unzähligen, riesigen Steinmännchen geschmücktem Gipfel inklusive erstklassigem Rundblick. Ab dort genossen wir unsere letzte, aber nicht minder lange Abfahrt - über schöne Trails, schottrige Wege und zu guter Letzt eine 35 Prozent steile Teerstraße, bei der wir nicht nur einmal unsere Bremsen abkühlen lassen mussten. So kamen wir nach einer unbeschreiblich guten und anspruchsvollen Tour in Bozen an, von wo aus wir mit dem Zug zurück zum Brenner fuhren. Mit dem Fahrrad rollten wir hinunter nach Gries, von dort aus ging es wieder motorisiert zurück nach Ansbach.

Trail am Portjoch
Tragepassage am Schneeberg
Pfelderer Tal
Eisjöchel
Stettiner Hütte
Auffahrt auf´s Stoarnerne Mandl
Stoarnerne Mandl