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Hochstubaitour

14.07.2012 - 19.07.2012
Autor: Renate Langguth
Tour-Nr.: 2012/32

Tourenänderung wegen nicht mehr vorhandenem Gletscher!

Teilnehmer: Christoph Klemenz, Erwin Schneider, Frank Vüllers,  Jürgen Hermann, Manfred Tschirswitz, Rudi Soldner, Renate und Charly Langguth

Leitung: Wolfgang Reichert

Samstag, 14.07.2012

Pünktlich um 06.00 Uhr stehen wir alle am Vereinsheim in der Turnitzstraße zur Abfahrt bereit. Der Wetterbericht stimmt! Es regnet leicht und soll in den nächsten 2 Tagen nicht besser werden.

Bei guter Stimmung und Vorfreude auf die bevorstehende Gletschertour im Hochstubai übernimmt Charly das Steuer und bringt uns alle sicher bis zur Talstation der Stubaier Gletscherbahn.

Ab der Mutterbergalm (1720 m) werden wir von Regen und tiefhängenden Wolken begleitet, trotzdem gehen wir den weiteren Weg über den Mutterbergsee und erreichen nach ca. 4 Stunden unser erstes Ziel, die Dresdner Hütte (2302m).

Christoph und Frank haben die meiste Ausdauer und gehen noch über den Egesengrat (Hausberg mit 2635 m).

Auf der Hütte erwarten uns gut ausgestattete, geräumige Zimmer mit Stockbetten. Im Trockenraum können wir unsere völlig durchnässten Klamotten zum Trocknen aufhängen. Spätestens beim Anblick des Salatbuffets und dem schmackhaften  Abendessen vergessen wir schnell das Wetter und verleben einen schönen ersten Hüttenabend.

Sonntag, 15.07.2012

Alle nehmen das reichlich bestückte Frühstücksbuffet gerne an. Wir starten unsere Tour um 08.15 Uhr bei leichtem Nieselregen, aber auch ein paar Sonnenstrahlen blitzen ab und zu zaghaft durch die Wolkendecke. An der Liftstation Gamsgarten nehmen wir etwas deprimiert die riesige Baustelle wahr. Unzählige Bagger und andere Fahrzeuge machen Platz für neue Liftanlagen und Restaurants, um den Skibetrieb weiter attraktiv zu machen und auszudehnen. Wir gestehen ein, dass auch wir Skifahrer sind und im Winter diese Anlagen in Anspruch nehmen werden, sind aber froh, dass der Schnee dann die entstandenen Wunden zugedeckt hat.

Für den Anstieg zum Daunjoch (3057 m) legen wir Steigeisen an. Der weglose Abstieg im aufgeweichten Geröll erfordert völlige Konzentration und wegen des Steinschlags besondere Vorsicht.  Auch Wolfgang ist froh und erleichtert, als wir alle gut unten angekommen sind.

Über den Gletscher, mit etwa 15 cm Neuschnee, gehen wir in 2 Seilschaften. Für die etwa 3 stündige Querung benötigen wir die Steigeisen nicht mehr. Bei dichtem Nebel verlässt sich Wolfgang ausschließlich auf das GPS-Gerät. Er führt uns sicher und erfahren an den Gletscherspalten vorbei. Charly hält als gewichtiger Bremser hinter ihm aufmerksam die Spannung am Seil.

Trotz GPS-Positionsortung und digitaler AV-Karte sind die Wetterbedingungen so extrem, dass Wolfgang unterhalb der Spaltenzone am Wütenkarsattel zum Abstieg auf die Amberger Hütte (2135 m) entscheidet. Eigentlich war die Route zur deutlich näheren Hochstubaihütte (3173 m) geplant. Wir akzeptieren die Entscheidung und stimmen der Änderung zu.

Nach dem schier endlosen Abstieg am linken Rand des Sulztalferners und durch die „Sulz“ erreichen wir nach 18 km Gesamtstrecke, müde, aber zufrieden um 18.30 Uhr die Hütte. Die freundlichen Hüttenwirtinnen, die gute Unterbringung im geräumigen Lager, ein Trockenraum und das prima Essen lassen die leicht getrübte Stimmung schnell wieder steigen.

Wolfgang hat erst auf der Hütte Netzempfang und meldet uns auf der Hochstubaihütte für heute Nacht ab.

Montag, 16.07.2012

Hurra, das Wetter hat sich deutlich gebessert. Der Schrankogl (3496 m) wird zeitweise sichtbar, über 2500 m sind die Berge mit Neuschnee überzuckert. Endlich sehen wir, in welch herrlicher Bergwelt wir uns hier befinden. Die Stimmung steigt euphorisch!

Nach gut 3 Stunden erreichen wir mittags den Gletscher. Das Kommando von Wolfgang lautete erneut:  „Gurte anlegen, Steigeisen anbringen, Gamaschen anziehen.“

Gut ausgerüstet gehen wir am Seil  2 km in mäßiger Steigung den Wütenkarsattel (3103 m) hoch.  Von dort wird das schneebedeckte Geröll überquert.

Gegenüber thront die Hochstubaihütte auf ihrem eigenen „Gipfel“.

Das kurze, aber steile Schneekar, das auf den Wütenkarferner abfällt, steigen wir am Seil rückwärts ab. Wolfgang schlägt mit seinen Stiefeln die Stufen für uns. Nun kommen auch die  Eispickel zum Einsatz und wir sind froh, dass wir sie mitgeschleppt haben.

Nach der Querung des Gletschers am Seil, erreichen wir nach kurzem Aufstieg die Hütte bei strahlendem Sonnenschein, jedoch lediglich 3°C und atemberaubenden Ausblicken.

Der Sonnenuntergang über den nördlichen Ötztaler Bergen erfordert bei eisigem Wind und nur noch 1°C von den Fotografen viel Ausdauer. Sie werden aber reichlich dafür entschädigt.

Frank und Christoph besteigen als Fleißaufgabe noch den Hohen Nebelkogl (3211 m) 

Dienstag, 17.07.2012

Der Hüttenwirt rät von dem - nach „aktueller“ AV-Karte ( Gletscherstand 1970!)- geplanten Weg über die Warenkarscharte( 3186 m) ab, weil der anschließende Warenkarferner weitgehend verschwunden ist und das felsige Gelände weglos ist.

Nach kalter Nacht queren wir den verharschten Wütenkarferner zum atemberaubenden Steilabbruch in´s obere Seekar, wo Wolfgang erst den Zustieg erkunden muss. Der Abstieg lässt sich mithilfe des Pickels anstelle der Wanderstöcke erstaunlich gut meistern. Trotzdem sind alle froh, als die kitzlige Passage nach weiterem Geröll und Schneefeldern überwunden ist!

Dann geht es in weitem Bogen über den Fräulaskofel auf den Windacher Ferner und zur „Jochdohle“, mit 3150 m das höchst gelegene Restaurant im Stubaier Skigebiet.  

Kaffee und Kuchen oder ein Bier entschädigen für die Strapazen.

Von dort ist es nur noch ein Spaziergang über den Gaißkarferner und den Abstieg bis zur Hildesheimer Hütte (2859 m).  Sie liegt sehr idyllisch oberhalb eines kleinen Sees und wird über einen kurzen Klettersteig erreicht.  Unsere 3 „Youngsters“ Christoph, Erwin und Frank besteigen noch den Schussgrubenkogl (3211 m)  Wir können sie auf dem Gipfel gut sehen und können auch ein Beweisfoto schießen.

Vor der Hütte werden wir von einer bestens aufgelegten Hüttenmannschaft empfangen.  Das Abendmenü mit mehrmaliger Nachfrage, ob´s denn gereicht hat… war prima und mehr als ausreichend.

Wir erleben mit dem aufgeweckten Hüttenwirt sowie seinem Sohn und dessen Freund einen geselligen Hüttenabend.

Mittwoch, 18.07.2012

Wolfgang entscheidet, dass die geplante Tour über die Siegerlandhütte, das Becherhaus und die Sulzenauhütte, plus Abstieg, in den verbleibenden 3 Tagen nicht zu schaffen ist.

Außerdem war wieder schlechteres Wetter im Anzug. Deshalb machen wir uns auf den Weg über den Gaißkarferner und besteigen die Schaufelspitze (3333 m).  Nach einer ausgiebigen Gipfelrast gibt Charly für alle eine Runde selbst gebrannten Gipfelschnaps aus. 

Wir genießen die traumhafte, wolkenlose Fernsicht zur Wildspitze, zum Zuckerhütl, Habicht… ja bis zur Marmolada und dem Rosengarten in Südtirol - aber auch zum „Top of Tyrolia“, einer Eisentreppe, die von der Bergstation der Kabinenbahn zu einer Plattform führt.  Unzählige Seilbahntouristen genießen den Ausblick von dort aus.

Bereits um 11.00 Uhr sitzen wir in der Sonne vor unserer „Stammkneipe“, der Jochdohle, umgeben von Sonnenanbetern in Liegestühlen.  Der Gletscher und die „Wege“ sind zum Schutz mit Vlies abgedeckt.  

Ohne Zeitdruck machen wir uns um 12.30 Uhr auf, und steigen im tiefen Sulz über das Eisjoch (3133 m) die Skiabfahrt zur Station Eisgrat ab, von dort über die Großbaustelle an der Station Gamsgarten zur Dresdner Hütte, wo wir bereits um 14.45 Uhr eintreffen und es uns in der Sonne bei Apfelstrudel etc. gut gehen lassen.

Frank legt noch einen Zwischenspurt auf den Großen Trögler (2902 m) ein und kehrt rechtzeitig zum Salatbuffet und dem von Christoph heißersehnten Schnitzel zurück.

Nach einer letzten Komfortübernachtung mit fließend Warm- und Kaltwasser in den Zimmern und Duschen auf dem Gang,  geht es am

Donnerstag, 19.07.2012

zurück  zum Bus-Parkplatz. 

Charly nimmt wieder die Rolle des Busfahrers ein. In einem gut sortierten Kaufmarkt  in Neustift im Stubaital versorgen wir uns für die Fahrt mit Speisen und Getränken.

Am Spätnachmittag kommen wir alle mit neuen Eindrücken glücklich, gesund und zufrieden in Ansbach an.  

Wir danken unserem sehr erfahrenen und sicheren Tourenleiter Wolfgang, der die schwierigste Entscheidung für einen Bergsteiger getroffen hatte: Lieber eine andere Route nehmen, als die geplante, wenn es denn die Umstände erforderlich machen.

Vielen Dank an alle, die diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

 

 

 

                                                                                                                         

Zur Daunscharte im Schnee
Amberger Hütte: es geht uns gut!
Endlich Wetterbesserung!
Rast auf dem Wütenkarsattel
Ziel Hochstubaihütte erreicht
Blick zurück auf den Wütenkarsattel
Abendstimmung über den nördlichen Ötztaler Alpen
Blick auf den ehemaligen Warenkarferner - Grund für Änderung der Route
Abstieg zur Hildesheimer Hütte
Abschied von der Dresdner Hütte