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Hochtour Berner Oberland

01.08.2012 - 05.08.2012
Autor: Julian Wolf
Tour-Nr.: 2012/36

erneuter Versuch, das Bluemlisalphorn zu erklimmen

Nachdem Peter bei seiner letztjährigen Tour (2011/32) auf Grund von Witterungsverhältnissen das Blüemlisalphorn verwehrt worden war, stand Anfang August der zweite Versuch an. Mit einer gänzlich neuen Gruppe, bestehend aus Peter, Stefan, Frank, Günter und mir, sollte es also in die Schweiz gehen.

 

Treffpunkt war Mittwoch Früh um vier Uhr am Vereinsheim in Ansbach, wo wir ohne großen Aufenthalt die Ausrüstung in ein Auto warfen und in Richtung Schweiz aufbrachen. Die erste Station sollte Reichenbach sein, dort haben wir das Auto stehen lassen und sind um kurz nach 10 Uhr mit dem Zug weiter nach Kandersteg (1174 m. ü. M.), dem Talort für den Aufstieg auf die Doldenhornhütte. Bei bestem Wetter und brütender Hitze wanderten wir von hier, glücklicherweise größtenteils durch Wald, hinauf zu unserer ersten Unterkunft (1915 m. ü. M.), die wir zur Mittagszeit erreichten. Den Nachmittag füllten wir mit fauler Untätigkeit, dem Schlichten eines großen Feuers für den Schweizer Nationalfeiertag (vom Wirt mit Bier vergütet, und da lässt sich auf einer Schweizer Hütte natürlich niemand zweimal bitten) und Übungen zur Selbstrettung aus Gletscherspalten. Als es zu dämmern anfing begannen im Tal und an den anderen Berghängen bereits die ersten Feuer an zu brennen, unseres sollte aber erst bei absoluter Dunkelheit angemacht werden, was jedoch im ersten Anlauf von einem über uns hinweg ziehendem Gewitter vereitelt wurde. Danach, im zweiten Versuch, hat der Wirt das Feuer dann aber doch zum Brennen bekommen. Da war es dann aber schon halb 11, also schleunigst Zeit für uns ins Bett zu kommen, schließlich stand für den nächsten Tag das Doldenhorn (3643 m. ü. M.) auf dem Programm. Das wiederum bedeutet, Frühstück um vier!

 

Donnerstag gegen dreiviertel fünf marschieren wir also von der Doldenhornhütte los in Richtung Doldenhorn. Zuerst eine gefühlte Ewigkeit auf den kaum näher kommenden „spitzen Stein“ zu, dann geht kurz danach der Gletscher los. Nachdem wir die Ausrüstung aus dem Rucksack an uns genommen haben geht’s auf den Gletscher und die letzten 700 Höhenmeter in Richtung Gipfel. Über leichtes, aber steiles Gelände erreichen wir schließlich Grat und Gipfel, wo sich eine hervorragende Aussicht auf das gesamte Schweizer Umland bietet. Nach einer kurzen Rast machen wir uns wieder an den Abstieg, den wir nach Verlassen des Gletschers nochmal für eine 15-Minuten-Kurzschlaf-Pause unterbrechen. Erst lässt Peter uns über loses Geröll und viel Schutt mit dem Seil ab (hier ging es Franks Foto nicht schnell genug, so dass er sich selbständig machte und mich rasant überholt – bis auf einen Sprung in der Scheibe hat er es aber überlebt), anschließend geht es durch das Geröllgelände mit stark schwindenden Kräften wieder hinab, am großen Stein vorbei und schlussendlich weitgehend erschöpft durch grüne Bergwiesen zur Hütte.

 

Am nächsten Tag, Freitag, wollen wir nur auf die nächste Hütte, die Blüemlisalphütte übersetzen. Das heißt glücklicherweise, dass wir auch ausschlafen dürfen und es erst um 7 Uhr Frühstück gibt. Nachdem wir gemütlich unsere Sachen zusammengepackt haben steigen wir erst einige hundert Höhenmeter ab zum Oeschinensee, und von dort aus mit einer kurzen Suppen-Pause hinauf auf besagte Hütte (ca. 2800 m. ü. M.). Unterwegs wurde Günter dabei quasi von fast von einem Geocache angesprungen, später Peter von einem zweiten. Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen, außer dass wir noch ein wunderbares Steinmännchen gebaut haben und das Bier begeistert in Kübeln a 1,5 L bestellt haben. Im Bett waren wir dann auch ganz schnell, schließlich ist das samstägliche Frühstück auf 3 Uhr angesetzt.

 

Ab halb 3 ist am Samstag also Aufbruchstimmung und wir verlassen unser Lager möglichst vorsichtig, um die anderen darin liegenden Wanderer zu schonen. Nach Frühstück und Tee-Tanken stehen wir schließlich gegen dreiviertel vier, bereits mit Gurt ausgerüstet, abmarschbereit vor der Hütte. Nach wenigen Metern am Gletscher angekommen, seilen wir an und marschieren im Schein der Stirnlampen hinter den anderen Gruppen her, die das selbe Ziel haben wie wir: Das Blüemlisalphorn! Bereits aus einiger Entfernung sehen wir die Stelle, an der wir die Scharte zum Grat erklimmen wollen. Und bereits in einiger Entfernung stellen wir uns wohl alle dieselbe Frage, und Stefan spricht sie laut aus: „Wie sollen wir bloß da hoch in die Scharte kommen?“. Aus der Nähe betrachtet wirkt die vor uns liegende Eisflanke aber gar nicht mehr so schlimm, so dass wir den Seilabstand verringern und ohne weitere Sicherungen beginnen in Richtung Scharte aufzusteigen. Als mittendrin Frank jedoch auf die Idee kommt, beide Steigeisen zu verlieren setzt Peter nun doch eine Eisschraube – und das in Rekordzeit. Als Frank die Eisen wieder an den Füßen hat, geht’s weiter, hinauf in die Scharte und von dort aus erst über leichtes Klettergelände und anschließend kombiniertem Fels-Schnee-Eis-Gelände auf den schmalen Grat zum Gipfel. Nach einer kurzen Rast und den üblichen Gipfelfotos treibt uns Peter zur Eile, der Abstieg ist lang, das Wetter für Nachmittag nicht besonders stabil vorhergesagt und das Gelände schwierig. Also schauen wir dass wir wieder runter kommen, erst über den Grat, dann abseilend über die Felspassage. Die Eisflanke nehmen wir mit Fixseil und kurzer Prusik, Peter klettert als letzter mit Eisgeräten ab. Unten angekommen schnaufen wir kurz durch – das schwierigste ist geschafft. Jetzt nur noch über den Gletscher zurück zur Hütte, wobei uns jetzt in der Nachmittagssonne erst auffällt was die Stirnlampen in der Früh nicht gezeigt hatten: Unmengen an Spalten, Löchern, und fast schon Schluchten im Eis. Gut navigiert, Peter! Nach ca. 11,5 Stunden gelangen wir also wieder an die Hütte. Eigentlich war ja geplant, heute noch auf die Gspaltenhornhütte überzusetzen (ca. 3 Stunden), aber auf Grund des fortgeschrittenen Nachmittags entscheiden wir, noch eine Nacht auf der Blüemlisalphütte zu verbringen und den eigentlich für Sonntag geplanten Gipfel Gspaltenhorn ausfallen zu lassen. Also genießen wir den entspannten Abend, schlafen in der Früh aus, steigen dann ganz gemütlich ab und fahren mit dem Bus zurück nach Reichenbach zum Auto.

 

Alles in allem war es eine wunderschöne, anspruchsvolle und tolle Tour mit einer guten und harmonierenden Gruppe und eine hervorragende Führung durch Peter. Vielen Dank für dieses tolle Erlebnis!

 

 

Blick auf´s Doldenhorn
Aufstieg zum Doldenhorn
Aufstieg zum Doldenhorn
Eisflanke zum Bluemlisalphorn
Felsgrat zum Bluemlisalphorn
am Bluemlisalphorngipfel