Klettersteige/alpine Bergtour im Wilden Kaiser

06.07.2012 - 08.07.2012
Autor: Andreas Bartelmeß
Tour-Nr.: 2012/29

...wenn nur der Regen nicht gewesen wäre....

Wenn’s Wetter schlecht ist … Bei strömendem Regen in der Steinernen Rinne: Lieber nicht. Bei aufziehenden Gewitterwolken im Klettersteig zur Ellmauer Halt: Bloß nicht. Was dann? Wieder heimfahren? Aber im Wilden Kaiser ist’s doch an sich recht schön. Eben. Und irgendwas geht immer – auch bei schlechtem Wetter.

Vielversprechend war die Bergtour, die unser Tourenleiter Gerhard Zumach für das erste Juliwochenende (6. bis 8. Juli 2012) ausgesucht hatte:

Von der Griesneralm (988 m) wollten wir (Erika, Gerald, Uwe, Erwin, Thomas und der Autor, Andreas) am Freitag zunächst Richtung Stripsenjochhaus wandern und unter dem Stripsenjoch links den Abzweig Richtung Eggersteig nehmen. Zwischen den 700 Meter senkrecht aufragenden Wänden von Fleischbank und Predigtstuhl wollten wir sodann die Steinerne Rinne hinauf zum Ellmauer Tor steigen. Von dort aus wäre es nur noch eine halbe Stunde zum Gipfel der Hinteren Goinger Halt (2192 m) gewesen. Nach aufregenden Tiefblicken (Griesner Kar) und Fernblicken (Hohe Tauern) sollte unser Weg weiter führen zur Gruttenhütte, die auf der Südseite des Wilden Kaisers auf 1620 m liegt.

 

Am Samstag stand der höchste Gipfel des Wilden Kaisers auf dem Plan. In rund 2,5 Stunden wollten wir von der Gruttenhütte aus die Ellmauer Halt (2344 m) über den Gamsängersteig, einen mittelschweren Klettersteig, besteigen. Für den Abstieg wären wir den Normalweg über den Gamsängersteig zunächst zurück gegangen, um so dann zum Kopftörl zu queren. Von diesem hochalpinen Übergang hätte der Weg über den Hohen Winkel weiter geführt zum Stripsenhochhaus (1577 m). Für den Sonntag war schließlich ein rund einstündiger Abstieg vom Stripsenjochhaus zur Griesneralm, unserem Ausgangspunkt, vorgesehen.

Eine großartige und eindrucksvolle Bergtour, die wir geplant hatten. Aber auch eine ernsthafte Tour, weshalb das Wetter mitspielen musste – was leider nicht der Fall war. Ein Ersatzplan musste deshalb her. Bei strömendem Regen die Steinerne Rinne in steilen Kehren empor zum Ellmauer Tor zu steigen, wäre nämlich Blödsinn gewesen. Denn auf dem Weg zwischen Fleischbank und Predigtstuhl hinauf Richtung Goinger Halt besteht ohnehin Steinschlaggefahr, die natürlich bei Starkregen gefährlich zunimmt. Diesen Weg zur Gruttenhütte konnten wir somit nicht nehmen. Was also dann? Viele Möglichkeiten hatten wir leider nicht, was uns bei einer Einkehr in der Griesneralm bewusst wurde. Das Vorhaben, mit einem der beiden Autos von der Griesneralm zur Wochenbrunneralm zu fahren und von dort aus zur Gruttenhütte aufzusteigen, hätte insbesondere am Sonntag für die Heimfahrt einen erheblichen Zeitverlust bedeutet und musste somit ausscheiden. Damit blieb nur noch die Variante, den Eggersteig, die Steinerne Rinne, das Ellmauer Tor und die Hintere Goinger Halt quasi links liegen zu lassen und direkt zum Stripsenjochhaus aufzusteigen.

So läuft’s dann auch: Nachdem unser Tourenleiter Gerhard Zumach telefonisch die Reservierung auf der Gruttenhütte storniert hat, wandern wir von der Griesneralm aus gemütlich in rund zwei Stunden hoch zum Stripsenjochhaus, auf welchem wir eigentlich erst von Samstag auf Sonntag übernachten wollten – jetzt waren wir eben bereits am Freitagabend da und wollten nicht nur eine, sondern zwei Nächte bleiben, was aber kein Problem für den Hüttenwirt darstellte.

Da es zwischenzeitlich zu regnen aufgehört hat, können wir die Zeit am Freitagabend auf der Hüttenterrasse nicht nur dazu nutzen, Kletterer unterhalb der Fleischbank zu beobachten, sondern auch, um die Tour für den Samstag in der Gruppe zu planen. Zwei Varianten stehen zur Auswahl: Eine kurze Tour auf die Hintere Goinger Halt oder eine tagesausfüllende Tour auf die Ellmauer Halt, wobei angesichts der Wetterverhältnisse nicht klar ist, ob wir den höchsten Kaiser-Gipfel über den Gamsängersteig überhaupt bezwingen können. Dennoch beschließen wir gemeinsam, die Ellmauer Halt anzugehen – vielleicht spielt ja das Wetter mit, so hoffen wir.

Am Samstag ist es zwar nebelig, aber es regnet zumindest nicht und so steigen wir in der Früh zunächst einige Höhenmeter vom Stripsenjochhaus Richtung Hans-Berger-Haus ab, um so dann den Abzweig hinüber zum Hohen Winkel und zum Kopftörl zu nehmen. Wir steigen eine mit Drahtseilen und Steigbügeln gesicherte Rinne sowie eine Eisenleiter hinab und queren im Anschluss hieran entlang der Westwand des Totenkirchls zum Hohen Winkel. Dort kämpfen wir uns bei schwül- warmer Luft ein – für diese Jahreszeit – erstaunlich hartes Schneefeld empor und steigen an feuchten Drahtseilen entlang weiter zum Kopftörl. Pause, immerhin ist es ja schon Mittag. Zudem Zeit, die Karte aus dem Rucksack zu holen.

Beim Blick in die Karte ist uns klar: Die Ellmauer Halt werden wir heute nicht mehr bezwingen können. Zu weit ist der Weg vom Kopftörl aus. Zu schlecht ist die Wetterprognose, die für Samstagnachmittag wechselhaftes Wetter eventuell mit Gewittern vorausgesagt hat. Und neblig ist es noch immer. Die Sonne zeigt sich heute nicht. Wir kehren deshalb um und gehen denselben Steig zurück zum Stripsenjochhaus, wo wir am frühen Nachmittag ankommen und wo sich die Frage stellt: Übernachten oder Heimfahren?

Weil die Aussicht auf das heimische Bett verlockend und das Tourenangebot in Hüttennähe begrenzt ist, beschließen wir, abzusteigen und nach einer Einkehr in der Griesneralm heimzufahren. Statt – wie geplant – Sonntagmittag kommen wir also bereits am Samstagabend wieder in Ansbach an. Zwar können wir weder die Hintere Goinger Halt noch die Ellmauer Halt in unserem Gipfelbuch abhaken, aber solch eine interessante Tour im Wilden Kaiser lässt sich ja erneut ausschreiben. Wir Teilnehmer wären bei einem zweiten Anlauf wieder dabei. Unser Tourenleiter Gerhard Zumach hoffentlich auch. Und das Wetter …

 

Rast am Stripsenjochhaus
Zustieg Kopftörl
über ein hartes Schneefeld...
... und über Felsblöcke
kaum Sicht im Nebel
Abstieg
Alpinwetter