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Skitour im Martelltal/Vinschgau

02.03.2013 - 06.03.2013
Autor: Tilman Botsch
Tour-Nr.: 2013/28

Unterwegs zwischen Königsspitze und Monte Cevedale

Teilnehmer: Elke, Erika, Susanna, Ewald, Felix, Jürgen, Tilman, Uwe, Wolfgang

Hüttenstützpunkte: Zufallshütte, Marteller Hütte

Erreichte Gipfel: Madritschspitz 3265m, Suldenspitze 3376m

Herzlichen Dank an Wolfgang für die umsichtige Führung und die perfekte Organisation.

Auf dem Gipfelgrat vom Monte Cevedale zur Zufallsspitze zu marschieren und bei Sonne links und rechts hinab nach Südtirol blicken – mit diesem Wunschbild im Kopf sind wir Anfang März zur Skihochtour ins Marteller Tal gestartet. Auf der Zufalls- und der Marteller Hütte hatten wir für jeweils drei Nächte Quartier gebucht, um einige Gipfel zwischen Ortler und Cevedale kennenzulernen und zum krönenden Abschluss Zufallsspitze und Monte Cevedale zu besteigen. Leider blieb die Woche ohne die Besteigung des Cevedale, aber ansonsten ließen die Tage auf der Alpensüdseite dank Sonne, Pulverschnee und großer Gastfreundlichkeit keine Wünsche offen.

Die Bergwoche begann mit strahlendem Sonnenschein. Während in Ansbach noch trübes Winterwetter herrschte, lachte ab Füssen die Sonne. Der Anstieg zur Zufallshütte war mit 200 Höhenmetern durch Waldstücke und über freie Flächen schnell zurückgelegt und bei den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir die Hütte. Die Ski waren kaum abgeschnallt und die Rucksäcke noch nicht abgelegt, da servierte uns Wolfgang schon ein Tablett mit vom Hüttenwirt Ulli spendiertem Begrüßungs-Obstler. Dieser positive Eindruck bestätigte sich. Obwohl die Hütte mit vielen Wochenendgästen vollbelegt war, strahlte das Wirtspaar eine bewundernswerte Ruhe aus, war für jeden Wunsch offen, stets zu einem Spaß aufgelegt und hatte die saubere und gut ausgestattete Hütte sichtlich "gut im Griff".

Als Eingehtour für Sonntag hatte Wolfgang die Madritschspitz vorgesehen. 1000 Höhenmeter seien gut geeignet für den ersten Tourentag und für einen vorbildlichen Führer ist es eine Selbstverständlichkeit, dieser alpinen Vorgabe bestmöglichst nachzukommen. Also marschierten wir von der 2265 Meter hoch gelegenen Zufallshütte zur 3265 Meter hohen Madritschspitz. Mit großem Wohlwollen nahmen wir diese perfekte Planung wahr!

Malerisch geht es von der Hütte zunächst zwischen meterhohen Felsblöcken und den letzten Kiefern und Lerchen hindurch, bevor wir in das flache obere Martelltal kommen. Diesem folgen wir ungefähr 3 Kilometer, dann biegt unsere Aufstiegsspur nach rechts ins Butzental ab und wird merklich steiler. Von Süden her nähern wir uns durch Bruchharsch und windverpressten Schnee dem Gipfel der Madritschspitz und sind dort angekommen überwältigt von dem sich bietenden Panorama. Im Osten bilden Königsspitze, Monte Zebru und Ortler eine beeindruckende Kulisse und in Richtung Süden blicken wir auf die in der Sonne glänzenden Firnfelder des Monte Cevedale, der Zufallsspitze und der diversen Veneziaspitzen. Mit dem Weg dort hinauf wollen wir am letzten Tag unsere Tourenwoche krönen. Aber zuerst steht jetzt die Abfahrt an. Wir durchpflügen den Bruchharsch des Gipfelsüdhangs und hoffen auf die vom Hüttenwirt vorgeschlagene Möglichkeit, in das nördlich gelegene Madritschtal abzufahren. Vom Gipfel aus erschien uns diese Möglichkeit noch als zu anspruchsvoll, aber nach wenigen Höhenmetern Abfahrt zieht sich statt des ausgesetzten Grats plötzlich ein einladendes breites Schneeband nach links und wir stehen vor einem 700 Höhenmeter langen Pulverschneehang. Anspruchsvoll steil und so breit, dass noch ausreichend unberührter Schnee auf unsere Spuren wartet. Traumhaft!

Der Montag führt uns wieder in die gleiche Richtung, diesmal zur 3376 Meter hohen Suldenspitze am hintersten Ende des Martelltals. Erst kurz vor der Casatihütte biegen wir nach rechts ab und erreichen in starkem Wind über den Südhang den Gipfel. Heute sind wir noch näher an Königsspitze, Monte Cevedale und Zufallsspitze und der Blick schweift im Norden das Etschtal hinauf bis zum See am Reschenpass. Wie am Vortag erfüllt die Abfahrt auch heute wieder alle unsere Ansprüche. Diesmal über ausladend sanfte Hänge schwingen wir hinab über den Langenferner und das obere Martelltal. Nur ein einziger kleiner Gegenanstieg muss bewältigt werden und glücklich erreichen wir die Zufallshütte zur üblichen gemütlichen Runde auf der Sonnenterrase.

Für Dienstag ist eigentlich nur ein Hüttenwechsel zur 400 Höhenmeter höher gelegenen Marteller Hütte geplant. Von dort aus wollen wir an einem der folgenden Tage auf den Monte Cevedale und die Zufallsspitze. Aber der Wetterbericht sieht eher schlecht aus. Womöglich ist heute die letzte Möglichkeit, die beiden Gipfel bei vernünftigem Wetter zu erreichen und so stehen wir in aller Frühe auf, tragen die großen Rucksäcke bis zur Marteller Hütte und marschieren nach Zurücklassen des überflüssigen Gepäcks gleich weiter in Richtung Zufallferner. Aber der Wettergott meint es nicht gut mit uns. Der Wind wird kontinuierlich stärker, von Süden her zieht es immer mehr zu und kurz nach Erreichen der Gletscherzunge brechen wir deprimiert und frierend ab. Nach kurzer Abfahrt beziehen wir unsere Zimmer in der Marteller Hütte und holen den durch das frühe Aufstehen verpassten Schlaf nach. Das Abendessen ist auch auf dieser Hütte gut und reichlich und weil für den nächsten Tag schlechtes Wetter angesagt ist, karteln wir bis in den späten Abend. Zwei von uns werden sogar vom Hüttenwirt versehentlich ausgesperrt, als sie vor dem Zubettgehen noch etwas an der frischen Luft waren und der Wirt so spät mit niemandem mehr auf der Terrasse gerechnet hat.

Am Mittwochmorgen hat sich der Wetterbericht leider nochmal verschlechtert. Auch für Donnerstag verspricht er keine Besserung und so entscheiden wir uns für eine verfrühte Abreise. Die Besteigung des Cevedale müssen wir auf später verschieben. Aber wir fahren heim mit tollen Eindrücken von zwei herrlichen Skitourentagen bei Sonne und Pulverschnee und dem Erlebnis eines grandiosen Tourengebietes mit zwei sympathischen und gastfreundlichen Hütten. Keine Sorge, uns hat es so gut gefallen, dass wir wiederkommen werden. Nicht zuletzt ist ja auch noch eine Rechnung mit dem Wettergott und dem Monte Cevedale offen.

Alle oben!
Aufstieg Richtung Madritschspitze
Cevedale und Zufallspitze
Da bläst´s vielleicht!
Da gibt´s was zu schauen
Prost!
Rasante Abfahrt
Wasserfall vor der Hütte
... weit ist der Weg ...
Die Zufallhütte