Skitourenkurs mit praktischer Lawinenkunde

25.01.2013 - 27.01.2013
Autor: Jürgen und Nadine Kaufmann
Tour-Nr.: 2013/04

Die, die auszogen das Spitzkehren zu erlernen - oder: Verschüttetensuche bis zum Erbrechen...

Es war einmal ... ein weißer Sprinter, der wurde in Ansbach mit hochmotivierten DAVlerinnen, einem ganzen Haufen Skiern, Stöcken, LVS-Geräten, Sonden, Schaufeln etc. beladen, damit er sich mit Wolfgang als Tourenleiter am Steuer aufmache gen Spitzingsee. So motiviert die Insassinnen auch waren, man munkelt der Schlaf hätte sie überkommen und als sie wieder erwachten, sahen sie die verschneiten Gipfel, wie sie sich gegen das fahle Mondlicht abhoben.

Angekommen am Ziel stießen drei weitere Mitglieder der „Spitzkehrengruppe“ zu ihnen und es wurde ein leckerer, lockerer erster Abend in der Albert-Link Hütte verbracht. Ute, die unglaublich gute Fee der Hütte, reichte selbst angesetztes Kräuter-Elixier und sorgte so für Vergnügen und bestimmt auch für Gesundheit.

Am Samstag Morgen ging es dann bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen -9° Celsius aus den blau-weißen Federn in die schneeweißen Hügel. In die Vorfreude auf´s Loslegen mischte sich eine gewisse Skepsis, ob Wolfgang seine Ankündigung, wir würden heute Spitzkehren und Verschüttetensuche „bis zum Erbrechen“ üben, wohl wörtlich meinte. Wir ließen uns aber nichts anmerken und nachdem gezeigt war wie wir Felle aufziehen, Bindungen umstellen und LVS-Geräte einstellen, machte sich unsere Karawane auf zu einem nahegelegenen unberührten Neuschneehang. Es tat uns zwar wirklich sehr leid um die schöne, glitzernde Schneedecke, aber was muss das muss und so wurde der Hang Spitzkehre um Spitzkehre, Kick um Kick, rauf und runter von uns zerpflügt. Mit der Zeit kamen auch alle dem Geheimnis des rhythmischen Spitzkehrens auf die Spur und bevor wir uns versahen war es auch schon Mittag und wir ließen uns zu einer Sonnenpause, Tee und Brotzeit nieder (dieser Teil der Übung war also ohne Erbrechen geschafft!). Am Nachmittag machten wir uns näher mit den LVS-Geräten vertraut. Es piepste, wir liefen, wir knieten, wir stachen mit den Sonden, wir fanden - zumindest meistens - den „Verschütteten“ in einigermaßen passablen Zeiten wieder. Dass da noch viel Luft nach oben ist, was Koordination und Geschwindigkeit des Findens betrifft war allen bewusst, aber wir haben einen Eindruck gewonnen was bei der Verschüttetensuche wichtig ist, was schon gut funktioniert und wo die Schwierigkeiten liegen. Den Abend ließen wir bei Kaspressknödelsuppe, Käseschmarrn, anderen Leckereien sowie einer zu unserer großen Freude weiteren Dosis Kräuter-Elixier und einem vertiefenden Vortrag von Wolfgang zur Lawinenrettung, der so spannend war, dass sogar die beiden anderen Gäste im Raum andächtig lauschten, ausklingen.

Am Sonntag sollten wir nun das Gelernte auf einer kleinen Skitour zum Taubenstein endlich anwenden können. Als alles gepackt, gefrühstückt und die Sonnencreme aufgetragen war, machten wir uns auf den Weg. Im Gänsemarsch hinter Wolfgang her erklommen wir zick-zack aufwärts den Taubenstein. Wir machten unsere Erfahrungen auf kurzen Abfahrten mit Fellen und offener Bindung, immerhin ohne durch größere spektakuläre Stunteinlagen für Belustigung zu sorgen – das sollte später noch kommen. Nachdem der Gipfel gegrüßt und eine kurze Mittagspause eingelegt war, stand die erste längere Abfahrt im tieferen Schnee an... und was wäre mehr gemacht für Stunteinlagen als ein Tiefschneehang in Kombination mit uns als Gruppe mehr oder weniger erfahrener TiefschneefahrerInnen? Wir ersparen uns an dieser Stelle die Details, aber es kamen alle heil und einige auch recht elegant unten an, Gabi verzückte uns mit ihrem Tiefschneeschwung und wir brachten unsere Tour mit einer zügigen Talabfahrt zu Ende.

Fazit: Fastfood oder Slowfood? Ski Alpin oder Ski Touren? Es hängt zusammen, und ist doch so unterschiedlich. Den Berg einmal aus eigener Kraft zu erklimmen, schafft ein anderes Bewusstsein. Beim Aufstieg bleibt man immer wieder stehen, prüft den Hang, blickt sich um und erkennt eine Schönheit die einem sonst eher verborgen bleibt. Anschließend gibt man sich der Abfahrt mit einer außerordentlichen Euphorie hin und kostet sie aus wie die Teigschüssel die man als Kind ausschlecken durfte. Und das alles in einer atemberaubenden Landschaft und in netter Gesellschaft.

Wir haben viel gelacht und gelernt und wissen auch, was wir noch besser können könnten!

Vielen Dank an die sehr sehr sympathische, entspannte und witzige „Spitzkehrgruppe“, an Ute für den Hüttenzauber und vor allem an Wolfgang für die zwei schönen und lehrreichen Tage!

Auf dem Taubenstein
Auf zu neuen Taten!
Ein fast unberührter Hang...
... sieht später so aus
Wie geh´n denn die Felle ran?
Wie steil wird´s denn noch?
Wo liegen denn die Verschütteten?
Zeigt her eure Füßchen