Hochtour im Berner Oberland - Besteigung des Finsteraarhorns

31.07.2013 - 04.08.2013
Autor: Stefan Liborius
Tour-Nr.: 2013/47

Uhrahuraguat und guat gschi (schwytzerdütsch für sehr gut)

…auf Nachfrage bei Schweizer Bergsteigerkameraden wurden uns diese beiden Wörter genannt, die unsere Tour im Berner Oberland sehr treffend beschreiben!

Doch der Reihe nach: Wir (Guide Peter, Conny, Raymond, Axel und ich) trafen uns am 31.07.2013 fast pünktlich um 10:20 Uhr am Parkplatz beim Berghaus Oberaar am Oberaarstausee. Um 11 Uhr ging es los, zuerst am Oberaarsee entlang, dann ziemlich bald auf den Oberaargletscher. Was vom Parkplatz als klar definiertes Ziel (das Oberaarjoch mit dahinter liegender Oberaarjochhütte) aussah, stellte sich als endloser Bergaufgletscherhatscher dar. Um halb fünf erreichten wir dann aber doch die super gemütliche Hütte auf 3256 m. Bereits von der Hüttenterrasse bekamen wir einen genialen Vorgeschmack auf das vor uns liegende „Herz“ des Berner Oberlandes…

Am nächsten Morgen beschlossen Peter und ich die hervorragenden Verhältnisse für die Besteigung des Oberaarhorns (3629 m) zu nutzen. Während alle anderen noch schliefen, stärkten wir uns mit einem Becher Kaffee bzw. Ovo und machten uns um 5:30 Uhr daran, die knapp 400 Hm zu bewältigen.Um kurz vor halb sieben erreichten wir mit den ersten Sonnenstrahlen den Gipfel und hatten einen grandiosen Ausblick auf unser eigentliches Ziel, das Finsteraarhorn, den höchsten Berg der Berner Alpen.

Nach dem Frühstück ging es los. Dieser Tag sollte unser Transfertag zur Finsteraarhornhütte sein. Nach Anruf der Hüttenwirtin beim Hüttenwirt der Finsteraarhornhütte entschieden wir uns, nicht den Steinschlag gefährdeten Weg via Gemschlicke zu versuchen, sondern nur über die Gletscher zu laufen. Nach einem kurzen Blick in den Gletscherbruch entschieden wir uns diesen auszulassen und stattdessen den weiteren Weg im gemäßigten Gletschergelände zu laufen. Nach einem langen Nachmittag im Spaltengewirr des Fieschergletschers erreichten wir die Finsteraarhornhütte (3050 m), auf der einiges los war. Das Wetter und die guten Verhältnisse lockten Bergsteiger aus aller Herren Länder an…

Bei allerbestem Wetter verbrachten wir noch den Rest des Nachmittags mit Dösen, Trinken und die Gegend anschauen.

Nach sehr frühem Frühstück ging es um kurz vor fünf Uhr los. Die Wetterzeichen versprachen einen perfekten Tag. Wenn sich langsam die Nacht verabschiedet und erst der Dämmerung und dann dem neuen Tag Platz macht, weiß man, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Nach einer guten halben Stunde ab Hütte erreichten wir den Anseilplatz. Dort musste Axel mit großem Entsetzen feststellen, dass sich von seinem bewährten Steigeisen eine Verbindungsschraube gelöst hatte und die dazugehörige Mutter nicht aufzufinden war. Schweren Herzens mussten wir ohne ihn anseilen. Da wir aber kombiniertes, schweres Gelände vor uns hatten, war diese Entscheidung die einzig richtige.

Nun ging es auf mäßig steilem Gletscher bergauf. Wir erreichten bald ein kleines Schuttgebiet, welches wir angeseilt auf Steigeisen durchliefen (durcheierten ;-)) 20 min vor 7 erreichten wir den Frühstücksplatz auf 3617 m. Hier rasteten wir kurz, um anschließend den steilen Gletscheraufstieg zum Hugisattel (4088 m) in Angriff zu nehmen.

Bei gigantischem Wetter, aber kaltem Wind war es uns zum längeren Pausieren zu kalt. So zogen wir nur weitere Schichten an und warfen schon mal kritische Blicke auf den vor uns liegenden Gipfelgrat. Dieser beinhaltet Kletterschwierigkeiten bis II im gemischten Gelände. Da wir nicht die erste Seilschaft am Gipfelgrat waren, herrschte schon etwas Verkehr. Mit Ruhe, Trittsicherheit und Gelassenheit standen wir aber schließlich kurz nach 9 Uhr auf dem höchsten Gipfel des Berner Oberlandes (4274 m)! Oben auf dem Gipfel war es im Gegensatz zum Hugisattel nicht so kalt und wir erwischten ein Zeitfenster mit wenig Gipfelbesuch. So blieben wir gut 15 Minuten oben und machten uns dann wieder an den Abstieg. Dieser ging schnell und ohne größere Schwierigkeiten von sich und so erreichten wir um kurz vor eins wieder den Anseilplatz, wo Axel schon auf uns wartete. Er war nach erfolgreicher Reparatur seines Steigeisens noch bis zum Frühstücksplatz aufgestiegen, dann aber wieder umgekehrt. Nach entspanntem Nachmittag auf der Hütte ging es dann auch relativ bald in die Schlafgemächer (sehr schön, da kein Massenlager im klassischen Sinn sondern Mehrbettzimmer vorhanden waren)…

Am nächsten Morgen wieder früh raus, Abstieg zum Fieschergletscher und wieder zurück Richtung Oberaarjochhütte. Dort kehrten wir noch auf einen Kaffee ein, anschließend ging es zügig über den Oberaargletscher wieder zurück zu den Autos. Gegen Mittag erreichten wir diese und machten uns auf den langen Heimweg Richtung Deutschland.

Anseilen um 5 Uhr morgens
Aufstieg zur Finsteraarhornhütte
Unser Ziel: das Finsteraarhorn
Geschafft!
Der Gipfelgrat
Gratkletterei