Alter Schmugglerpfad im Wettersteingebirge

02.08.2014 - 03.08.2014
Autor: Heike Ronneberger/Harald Geyer
Tour-Nr.: 2014-02-34

Samstag, 07.30 Uhr, wir – drei Frauen und drei Männer – sind bereit, auf alten Schmugglerpfaden zu „wandeln“ und geben uns vertrauensvoll in die Hände unseres Bergführers.

Ronald Berndt erzählt dann auch auf der Fahrt zu unserem Startpunkt in Garmisch-Partenkirchen sehr kurzweilig von Schmugglern in vergangenen Zeiten, die in mühsamer Kletterei über das Hundsstallkar Kaffee und andere hochbesteuerte Genussmittel aus Österreich nach Bayern brachten.

Los gings von unserem Parkplatz an der Olympiaschanze in Garmisch (700 Hm) durch die Partnachklamm, hier bestaunten und fotografierten wir die Wasserfälle, um weiter strammen Schrittes durch das Reintal bis zur Bockhütte auf 1050 Hm zu laufen.

Durchatmen Nr. 1

Trikot wechseln bzw. ausziehen, je nach dem…, um dann am Mittagstisch vor der Bockhütte bei Suppe und/oder Kuchen den Blick schweifen zu lassen auf den gegenüberliegenden senkrechten Fels mit verstecktem Schmugglerpfad. „Da ungefähr liegt der Pfad im Hochwald vor dem Fels, auf geht’s und ausschwärmen“ so unser Guide.

Ausgerüstet mit Klettergeschirr haben wir gesucht und gefunden, sind steil bergauf gelaufen und standen auf Anhieb vor dem Schmuggler-Klettersteig-Einstieg. Nun ging es über Leitern und an teilweise mit Stahlseilen gesichertem Fels hoch und quer bis zum Endpunkt des gesicherten Teils des Schmuggler-Pfades mitten im Fels und ca. 350 Hm oberhalb der Bockhütte. Ausblick: phantastisch! Himmel + Wolken: eher kritisch. Deshalb ging´s nach nur kurzer Rast auf dem direkten Weg zurück, also wieder hoch und quer über Leitern und Stahlseile, die letzten Meter bis zur Bockhütte begleitet von ersten Regentropfen, so what…

Durchatmen Nr. 2

In der Bockhütte umziehen/anziehen, Rucksäcke umpacken und strammen Schrittes Richtung Oberreintalhütte, unserer Übernachtung, gehen. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, nicht zu wissen, was noch kommt…

Nach ca. 1,5 Std. im Dauerregen steil bergauf war sie endlich in Sicht, die Oberreintalhütte auf 1525 Hm. Was für ein Glücksgefühl!

Durchatmen Nr. 3

Hütte + Aussicht waren Belohnung genug für den anstrengenden Aufstieg (jedenfalls für mich). Plötzlich gab es auch keinen Regen mehr, dafür Abendsonne – Abendrot, eine Outdoor–(kalte) Dusche in grandiosem Panorama (verkürzt übrigens enorm die Waschzeit), ursprüngliches Nudeln + Tomatensosse - Essen für alle Hüttengäste (Anstellen am Herd + der Hüttenwirt kocht höchstpersönlich die von den Gästen hochgeschleppten Lebensmittel) und ein geselliger Abend – was will man mehr!

Die letzte Frage vorm Schlafen gehen in unserer Runde, wer einen Wecker hat, wurde vom Hüttenwirt „abgewürgt“. Das ist Chefsache, okay…

Durchatmen Nr. 4

Am nächsten Tag:

07.30 Uhr „Di-tám, dada-dada tá-ta, …“, swingige Musik tönt ins Hüttenlager hinauf. Dann ruft eine Männerstimme mit bayerischem Dialekt: „Guten Morgen! S‘Kaffee- und Teewasser is fertig, es Wetter is schee bis zum frühen Nachmittoch, dann Gewitter.“  Also gut, raus aus den Federn, dem Kaffeeduft nach und alle mitgebrachten Frühstücks–Lebensmittel auf den Tisch. Eine Frühstücksvariante: Ein Berg Nudeln vom Vortag, auch gut. Mit neuer Energie nahmen wir nun nach einem kurzen Abstieg die Gabelung zum Aufsteigen auf das Schachenhaus + König-Ludwig-Wochenendhaus (Datsche), 1866 Hm. Wegbegleitung dorthin, umrahmt von dem beeindruckenden Panorama des Reintals, war ein Eichelhäher bis hinauf zum Schachenhaus, Ankunft dort 11.00 Uhr. Warum nicht schon jetzt Mittagsmahlzeit, die beste Grundlage für den noch bevorstehenden Abstieg über den Kälbersteig zurück zur Partnachklamm. Also Suppe und/oder Kuchen bestellen, essen, bezahlen…und ab geht’s Richtung steilem Kälbersteig über den Kutscherweg. Und wie schon zu Beginn unserer Tour, hatte unser Guide die eine oder andere Anekdote über den Kutscherweg und die damals benutzten menschlichen Kutscherstoßdämpfer auf Lager. Nach ca. 2,5 Std Kälbersteig-Abstieg und 1190 Hm weniger war sie wieder da, die Partnachklamm.

Durchatmen Nr. 5

Im „Cafe Riesch“ gabs zum verdienten Abschluss noch was zu essen und vom „Anführer“ ein hochprozentiges „Lebens-Elexier“ als Belohnung, bevor es mit dem DAV-Bus wieder Richtung Heimat ging.

Fazit:

Tolle Tour, tolle und beeindruckende Aussichten, tolle und besondere Erlebnisse, Danke!

Die beeindruckenden Wasserfälle in der Partnachklamm
Rast vor der Bockhütte
Wozu ein T-Shirt? - wird doch eh´ nass!
Das Schachenhaus in seiner ganzen Pracht
Drei starke Frauen