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Südalpendurchquerung

30.08.2014 - 05.09.2014
Autor: Roland Döllinger
Tour-Nr.: 2014-02-95

Schon im Jahre 2009 machten sich sieben verwegene Mountainbiker auf zum ersten MTB-Alpencross des DAV Ansbach. Die damalige Tour endete wie geplant nach sechs Tagen in Brixen. Ende August 2014 dann die Fortsetzung dieser Tour durch acht ebenso verwegene Biker über die Südseite der Alpen bis zum Mittelmeer. Naja, nicht genau bis zum Mittelmeer, aber sehen konnten wir es am letzten Tourentag schon. Unser Tourguide Günter Wolf, Michael Schneider und Roland Döllinger waren 2009 schon mit von der Partie. Michael Burgschweiger, Michael Schwab, Ralf Heidingsfelder, Matthias Löffler und Matthias Klein vervollständigten die Mannschaft in diesem Jahr.

Mit 300km Strecke und über 10600 Höhenmetern war dieser zweite Teil eine nicht minder herausfordernde Angelegenheit. Um es vorweg zu nehmen - alle Teilnehmer sind gesund und wohlbehalten am Ziel angekommen. Im Gepäck frische Erinnerungen an kilometerlange Hammer-Trails, knackige Anstiege und wunderbare Naturlandschaften. Sogar das Wort "Wellness-Tour" ist gefallen, nicht nur wegen der Sauna, welche wir bei einer Übernachtung  genossen, sondern eher wegen der "Schlammpackungen", welche uns das etwas unbeständige Wetter an einigen Tagen bescherte. 

Anspruchsvolle, aber wunderschöne Singletrails

Los ging’s um 5:30 Uhr mit einem privaten Bus und PKW am Vereinsheim Richtung Franzensfeste losgefahren. Leider hat uns der Urlaubsverkehr am ersten Tag etwas Zeit gekostet und so mussten wir etwas umdisponieren. Die ersten 500 Höhenmeter haben wir dann bequem mit dem Bike-Shuttle hinter uns gebracht. Damit blieben noch über 1200 Höhenmeter für den restlichen Nachmittag übrig. Das Wetter war passabel: es hat fast nicht geregnet, doch die Sonne ließ sich den ganzen Tag nicht sehen. Die Tagesetappe ging über viele wellige Kilometer über das Plateau der Lüsner Alm. Um 17:30 Uhr kamen wir an der Maurerberghütte an, wo wir acht Biker neben vier weiteren Wanderern die einzigen Übernachtungsgäste waren. Nachdem wir zuerst unsere verdreckten Bikes und dann uns gereinigt und gepflegt hatten, genossen wir das Abendessen auf der fast neuen Hütte. Schon früh verzogen wir uns dann in die Betten. Das frühe Aufstehen am Morgen forderte seinen Tribut. 

Ausgiebig gestärkt und ausgeschlafen ging es am nächsten Tag über das Würzjoch und Gömajoch, einen traumhaften aber anspruchsvollen Singletrail entlang nach St. Martin in Thurn. Dort begrüßte uns eine Blaskapelle - dachten wir - bis wir erfuhren, dass dort an diesem Sonntag der neue Pfarrer musikalisch eingeführt wurde. Nachdem wir uns mit Pasta und Pizza gestärkt hatten, ging es Richtung Tagesziel zum Heilig-Kreuz-Hospiz. Erst stetig bergauf, dann einem weiteren wunderschönen kilometerlangen Singletrail unterhalb des Kreuzkofel folgend bis zur Heiligkreuz-Kirche und dem namensgleichen Hospiz, welches uns für die Nacht beherbergte.

Über Schottertrails und Schlammbäder in die Sauna

Wiederum in einer Trailpassage ging es am nächsten Morgen vom Heiligkreuz ins Tal, wo wir uns dann die warmen Klamotten ausziehen und etwas Proviant einkaufen konnten. Über den anspruchsvollen Weg zum Passo Valperola - wenig Straße, viel Schotter- und Waldtrail - kamen wir kurz vor Mittag auf dem Passo Valperola an. Trotz wunderbarem Ausblick ließ uns der 5°C kalte Wind zeitig aufbrechen. Auf der anderen Passseite erwartete uns schon der nächste Trail, welcher durch den vielen Regen in den Tagen zuvor sehr anspruchsvoll, ja sogar ein wenig gefährlich war. Deshalb ließ uns Günter einige Passagen nur zu Fuß absolvieren. Trotz einiger Schlammbäder mit den Schuhen oder dem Bike machte der Trail Spaß. Zum anstrengenden Aufstieg auf das Rifugio Averau trennte sich die Gruppe dann. Für die „jungen Wilden“ ging es teils fahrend, teils tragend und kletternd komplett über viele hundert Höhenmeter steil nach oben. Der Rest nahm für die ersten 500 Höhenmeter den Lift, ehe sie die noch fehlenden 300 Höhenmeter bei deutlich über 20% Steigung in Angriff nahmen. Belohnt wurden wir alle mit einem traumhaften Ausblick auf 2400m bei Sonnenschein über die Dolomiten. Nach einer Stärkung ging es dann über einen der längsten MTB-Trails der Dolomiten hinab nach Santa Fosca, wo wir ausnahmsweise einmal im Tal übernachteten und hier die Annehmlichkeiten eines guten Hotels mit Sauna genossen. Bei der gebuchten Halbpension mit hervorragendem Buffet und Mehr-Gänge-Menü war sogar Wasser und Rotwein inbegriffen, was uns einen lustigen Abend bescherte.  

Auf dem Weg zum Passo Valles kann man sich richtig verausgaben

Am vierten Tag begaben wir uns gleich nach dem Frühstück wieder auf unsere gewohnte Arbeitshöhe von um die 2000 Metern, bevor wir im Anschluss einen der legendären Single-Trails nach Alleghe abritten. Im Tal gab es dann erst mal eine zünftige Mittagspause am See, nachdem wir tonnenweise Schinken und Vinschgauer vom örtlichen Metzger bzw. Bäcker eingekauft hatten. Immer etwas abseits der Straße radelten wir danach stetig Richtung Passo Valles. Die letzten 700 Höhenmeter ging es dann ordentlich zur Sache, was besonders unsere „jungen Wilden“ freute, denn sie konnten sich hier richtig verausgaben und ihre Bergwertungen ausfahren. Letztlich kamen alle nacheinander wohlbehalten am Refugio Capanna am Passo Valles auf 2032 Meter an, wo auch das Ziel dieser Tagesetappe lag.

Am nächsten Morgen war erst einmal Regen angesagt. Unser Tourguide Günter entschied deshalb, nicht direkt den geplanten Trail ins Tal zu nehmen, sondern führte uns erst auf der Straße Richtung Tal. Etwas weiter unten bogen wir dann in den geplanten Trail  ein und genossen die flowige Abfahrt. Über den Rollepass ging es dann nach Sankt Martin und immer etwas oberhalb des eigentlichen Tales nach Fiera di Primiero. In Sichtweite unseres Tageszieles, der Bruno-Boz-Hütte, wartete dann die letzte Herausforderung: eine Wiesenabfahrt auf von Regen aufgeweichtem und von Kühen zertrampeltem und gedüngtem Untergrund, welche nicht jeder aus der Truppe sauber meistern konnte.

Die Bruno-Boz-Hütte ist eine kleine idyllische Hütte mit ca. 20 Schlafplätzen, von denen neben unseren nur wenige belegt waren. Wie auf der ganzen Tour von den Hüttenwirten zu hören war, brachte der schlechte Sommer sehr wenige Bergsteiger und Wanderer nach oben und so blieben auch die geplanten Einnahmen dafür aus. 

Ein ganzes „Rifugio“ nur für die Ansbacher   

So wie der vorherige Tag geendet hatte, so ging der sechste Tag weiter. Einen von Kühen weichgetretenen Wanderpfad mit Klettereinlagen führte uns auf knapp 1800m, um anschließend die Höhe auf diversen Pfaden, Straßen und Trails bis auf ca. 300 Höhenmeter zu vernichten. Nach einer ordentlichen Pizza in Feltre machten wir uns dann auf den Anstieg zu unserem Etappenziel, dem Rifugio Bocchette auf 1360m. Die bis zu 30%-igen Steigungen forderten alle aus dem Team - einige schiebend, andere komplett fahrend. Hier musste man aufpassen, dass man nicht rücklings vom Fahrrad viel. Das Etappenbier hatten wir uns an diesem Abend alle verdient. Auch auf dieser schönen Hütte waren wir die einzigen Übernachtungsgäste.  

Geschichtsträchtige Abschlussetappe

Unser letzter Tourentag begann wettertechnisch verhalten, entwickelte sich jedoch zum Nachmittag. Bei Nebel und 10° C begannen wir die Auffahrt auf den geschichtsträchtigen Monte Grappa. Auf alten Militärwegen ging es bei 8-10 % Steigung hoch zum bekannten Monument. Dieses wurde von Mussolini zum Andenken an die über 22.000 auf diesem Berg begrabenen Soldaten im Ersten Weltkrieg errichtet. Nach der ausgiebigen Besichtigung dort fuhren wir zuerst über einen Pfad einige hundert Höhenmeter hinab, bevor es auf dem unter Mountainbikern bekannten schmalen Militärwegweg Nr.152 durch viele Tunnels  wieder auf ca. 1500 Meter hoch ging. Ausgesetzte Stellen schiebend, sonst fahrend, näherten wir uns dem Einstieg in unseren letzten Trail dieser Tour. Und dieser erfüllte dann alle Erwartungen. 1000 Höhenmeter am Stück reinstes Trailvergnügen, mit allem, was Bikern Spaß macht. Die anschließenden 20km bis zum Bahnhof von Bassano del Grappa nutzten alle aus der Truppe zur Erholung. Dort mussten wir feststellen, dass unser Zug zum Ausgangspunkt über Verona umgeleitet worden war. Der freundliche Bahnsteigschaffner arrangierte kurzerhand einen Bike-Shuttle Service, welcher uns in wenigen Stunden zurück zum Ausgangspunkt der kompletten Tour und zu unseren geparkten Autos brachte.   

Ohne Übertreibung war der diesjährige DAV Alpencross auf einer der schönsten Routen durch die Dolomiten für alle Beteiligten und Trail-Enthusiasten ein Highlight. Günters Routenwahl war wieder genial und keiner wurde über- oder unterfordert. Die gegenseitige Rücksichtnahme und Unterstützung bei jedem aus der Truppe waren klasse. Ich bin gespannt, wo uns der nächste DAV Alpencross hinführen wird. Eine Steigerung bezüglich der Landschaft und der klasse Trails erscheint mir nach dieser Tour fast unmöglich, wenngleich eine Steigerung ja nicht unbedingt nötig ist. Ich bin auf jeden Fall wieder mit dabei.  

Vor dem Kreuzkofel - Etappenziel fast erreicht!
Der steile Weg zum Rifugio Averau
Matthias Löffler auf der 16 km langen Strada della Vena-Trail
Unter der Südflanke des mächtigen Averau-Blocks
Michael Schneider auf einer der vielen Trail-Passagen
Günter Wolf -der Trailfinder- bei der Auffahrt in Richtung Alleghe
Michael Schwab auf einem der legendären Alleghe-Trails
Schwieriges Terrain für Mountainbiker
Die ganze Truppe
Unterwegs in Richtung Meer
Angekommen – strahlende Gesichter nach der Ankunft in Bassano del Grappa