Höhenwanderung zwischen Hochries und Kampenwand

29.05.2014 - 01.06.2014
Autor: Hoffmann Horst
Tour-Nr.: 2014-02-55

schönes - aber feuchtes Chiemgau

Tourenleiter: Birgit und Roland Bräunling

Höhenwanderung zwischen Hochries und Kampenwand 

1. Tag:  Von Aschau zum Hochrieshaus (normalerweise zur Riesenhütte)

2. Tag:  Vom Hochrieshaus über Predigtstuhl zum Spitzsteinhaus

3. Tag:  Vom Spitzsteinhaus ins Tal nach Sachrang und hoch zur Priener Hütte

4. Tag:  Von der Priener Hütte zur Kampenwand, Talfahrt mit der Seilbahn

1. Tag: Anreise mit der Bahn und Aufstieg zum Hochrieshaus

Umweltbewusst und auch bequem fuhren wir, zehn Teilnehmer und zwei Tourenleiter, mit dem Zug am 29. Mai um 08:00 Uhr von Ansbach nach Aschau. In angenehmer und entspannter Atmosphäre hatten wir reichlich Zeit uns auszutauschen und auch noch vor Tourenbeginn eine kleine Stärkung einzunehmen. Kaum waren wir aus dem Zug in Aschau ausgestiegen fing es leider an zu nieseln. Nichts desto trotz machten wir uns gut gelaunt und voller Elan auf den Weg.

Zunächst stiegen wir auf zur Hofalm (mittlerweile regnete es schon mehr), wo wir einen ersten kleinen Stopp einlegten. Ich nutzte die Gelegenheit und gönnte mit ein alkoholfreies Weizenbier, es war ja schließlich Vatertag. Weiter ging es bergauf zur Riesenhütte, die, wie wir wussten, derzeit renoviert wird und uns deswegen nicht als Unterkunft dienen konnte. Wir mussten deshalb noch ein paar Höhenmeter mehr überwinden, um unser erstes Matratzenlager im Hochrieshaus zu erreichen. Ziemlich nass, aber trotzdem noch gut gelaunt, erreichten wir unser Tagesziel. Die Hütte war trotz des schlechten Wetters gut besucht (vom anderen Tal konnte man die Hütte auch mit der Seilbahn erreichen). Gott sei Dank konnten wir unsere nassen Sachen im Trockenraum der Hütte abstellen und aufhängen. Die Speisekarte gab für jeden was her (Favorit war Spinatknödel mit Buttersoße, warum auch immer). Nach angenehmen Gesprächen, dem ein oder anderen Glas Bier / Wein / Teewasser und kurzweiligen Kartenspielen gingen wir ziemlich zeitgleich in unser Matratzenlager.

Erfolgserlebnisse:  

  • Zustieg in Ansbach und Triesdorf hat geklappt.
  • Alle im Zug! Alle mit Sitzplatz! Alle sitzen zusammen!
  • Umstiege in Treuchtlingen, München und Prien verliefen trotz der großen Gruppe sehr diszipliniert und ohne Verluste.
  • Das Mitnehmen der Regenbekleidung hat sich wahrlich gelohnt.
  • Kein lauter Schnarcher in der Gruppe, und das bei zwölf Wanderern

2. Tag: Gipfel Predigtstuhl und Gratwanderung zum Spitzsteinhaus

Nach dem ersten Blick am nächsten Morgen aus dem Fenster, die große Frage:

„Wie ist das Wetter“?

„Ich weiß nicht, man sieht nichts, aber ich glaube es regnet.“

Ausgeschlafen, gut gestärkt und auch mit trockenen Schuhen und Jacken starteten wir die zweite Tagestour (es regnete). Zunächst liefen wir ein kleines Stück auf dem Weg zurück, um auf die ursprüngliche Strecke zurück zukommen. Nach einem kleinen Abstecher zum Abereck (muss man nicht unbedingt gesehen haben) erreichten wir unseren ersten anvisierten Gipfel, den Predigtstuhl.

Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, es war aber immer noch stark bewölkt und wir hatten kaum Sicht. Ich sah dort keinen Stuhl, aber genug andere Sitzplätze. Roland und Birgit munterten uns auf dem Gipfel mit einer Psalmlesung auf. Spontan wurde ein passendes Lied gesungen – und dies nicht mal schlecht! Nach einer kurzen Vesper ging es weiter über eine tolle Gratwanderung zum Spitzsteinhaus. Leider nieselte es wieder und die Sicht wurde noch schlechter. Wir hätten bestimmt eine herrliche Aussicht gehabt, wenn ……, egal, war trotzdem schön, man konnte sich die Landschaft ja vorstellen.

Und da war dann auch irgendwann eine Wand, so hoch, so schön, man konnte gar nicht bis ganz noch oben sehen.

Zwei kletterbegeisterte Damen waren mehr als fasziniert. Sie kletterten in Gedanken die Steilwand auf mehreren Steigen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden hinauf. Nach einigen Fotos und Erläuterungen der Damen über die Kletterweise drängte ich zum Weitergehen, da die Gruppe bereits weg war. Kaum hatten wir sie eingeholt (sie hatte bereits auf uns gewartet), gab es durch die Tourenleiter prompt einen Anschiss (Belehrung/Hinweis). Nun wissen wir:

Wenn man ein Schild „Steinschlag, Lebensgefahr!“ sieht, sollte man aufmerksam und zügig weitergehen und nicht stehen bleiben!

Nur leider haben wir kein Schild gesehen sondern nur eine wunderbare Steilwand.

Nicht mehr ganz so durchnässt wie am ersten Tag kamen wir trotzdem wohlbehalten und frühzeitig am Spitzsteinhaus an. Den zweiten geplanten Gipfel, den Spitzstein und die damit verbundenen 350 Höhenmeter schenkten wir uns, na ja ihr wisst schon, die Sicht war nicht die Beste.

Auch diese Hütte war gut besucht. Die Speisekarte gab wieder für jeden was her (heutiger Favorit Kaiserschmarrn, für einen als Hauptspeise, für viele andere als Nachspeise). Nachdem wir schon am Predigtstuhl so schön gesungen haben, wurde die Hüttengitarre für ein paar zünftige Lieder herangezogen, und zu fortgeschrittener Stunde absolvierten wir einen kleinen Jodelversuchskurs. Obwohl der „Lehrer“ selbst nicht jodeln konnte, war die Gruppe dafür umso begabter (dublöderhunddu, dublöderhunddu, choleraunddifterie …)

Erfolgserlebnisse:  

  • Wir fanden den Weg auch bei schlechter Sicht, incl. Abstecher zum Abereck.
  • Die Gruppe war immer noch gut gelaunt und konnte sogar singen.
  • Auch Jodelbegabte waren dabei, die dies vorher noch gar nicht wussten.
  • Immer noch kein lauter Schnarcher in der Gruppe

3. Tag: Abstieg nach Sachrang, Aufstieg zum Geigelstein und zur Priener Hütte

Endlich begrüßte uns die Sonne zum Start des dritten Tages! Bestens gestimmt (Gesang, Jodeln, Sonnenschein und herrliche Sicht bis nach Kufstein) starteten wir bergab nach Sachrang. Wie schön es hier doch war: „Herrliche Berge, sonnige Höhen, Bergvagabunden sind wir, ja wir ...“

In Sachrang angekommen gab es eine kleine Überraschung: Unsere Tourenleiter feierten Hochzeitstag und gaben jedem einen Kaffee aus. Leider musste einer unserer Wanderkameraden die Tour auf Grund von Knieproblemen in Sachrang abbrechen.

Gestärkt, mit Sonne und toller Sicht, durften wir wieder bergauf über die Schreckalm Richtung Gipfel Geigelstein und Priener Hütte laufen. Der Rucksack war zwar etwas schwerer (es regnete ja nicht mehr und die Bekleidung war entsprechend verstaut), aber das störte keinen.

Übrigens erlebten wir anfänglich auf dem Forstweg den modernen Almauftrieb. Die Kühe wurden per Viehtransporter an uns vorbei auf die Almen gefahren. Neid? Nein, bei dem Wetter war Wandern viel schöner als Fahren.

Kurz vor der Priener Hütte zweigte der Weg zum geplanten Gipfel „Geigelstein“ (1813 m), den fast alle noch „eroberten“ und der uns mit herrlicher Sicht über Karwendel, Kaiser und Berchtesgadener Alpen belohnte. Auch die Priener Hütte war gut besucht und das Essen war, wie schon auf den anderen Hütten, auch in Ordnung. An den heutigen Favoriten kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Angenehm war, dass wir, entgegen unserer Reservierung, Sechsmannzimmer zugewiesen bekamen. Die Zimmer boten mehr Platz fürs Gepäck und drei Etagenbetten. Leider musste auch das Jubelpaar an seinem Hochzeitstag im Sechsmannzimmer schlafen.

Erfolgserlebnisse:  

  • Endlich Sonnenschein und angenehme Temperaturen.
  • Am Abend auf der Hütte hatten wir Sicht auf den Wilden Kaiser mit „Alpenglühen“.
  • Ein Einzelbett für jeden.
  • Und natürlich wieder kein Schnarcher.

 4. Tag: Wanderung mit Klettersteig zum Gipfelziel Kampenwand

Noch besser erholt, die Zahl der WC-Gänger bei Nacht hatte sich logischerweise deutlich reduziert, machten wir uns am nächsten Tag auf zu unserer letzten Etappe. Wir wanderten bei Sonnenschein Richtung Kampenwand durch eine sehr reizvolle Landschaft mit wunderbaren, aber bergab zum Teil auch rutschigen Wegen. Ein Klettersteig, wohlverdiente Pausen und ein kurzer Hagelschauer brachten unseren Zeitplan am letzten Tag etwas durcheinander. Der Aufstieg zur Kampenwand war gefährdet, da wir ja pünktlich wieder am Bahnhof in Aschau sein mussten. In einer demokratischen Besprechung entschieden wir uns, dass wir gemeinsam genüsslich weiter wandern und uns nicht im Eiltempo zur Kampenwand hinauf quälen. So konnten wir uns noch in aller Ruhe ein Abschlussgetränk in der Sonnenalm gönnen, bevor wir mit der Seilbahn nach Aschau runter fuhren, zum Bahnhof gingen und in den Zug stiegen.

Auf der Bahnstrecke Prien – München konnten wir nicht zusammensitzen und einige mussten es sich sogar auf dem Boden bequem machen, da der Zug überfüllt war. Es war schließlich Sonntag, gutes Wanderwetter seit Samstag und Rückreisezeit. Niemand hatte so schmutzige Schuhe wie wir. Manch Neugierige fragten auch nach, wie man denn bei so schönem Wetter so schmutzige Schuhe haben könne. Daraus ergaben sich auch nette Gespräche mit „Schönwetterwanderern“.

Schön war`s!

Danke Birgit und Roland. Danke an alle für vier schöne Tage.

Erfolgserlebnisse:  

  • Auch ein kurzer Hagelschauer kann uns nichts ausmachen.
  • Wir haben einen Klettersteig bezwungen. (Anmerkung der Wanderleiter:
    ein felsiger, steiler, drahtseilversicherter Abstieg)
  • Demokratie funktioniert.
  • Wir waren pünktlich daheim, auch die Bahn kann pünktlich sein.
Die gesamte Tour
Vorfreude am Ansbacher Bahnhof - noch hat man gut Lachen
Den Regenschutz hatte keiner umsonst dabei, Regenschirme gab es gleich deren zwei...
Auf dem Predigtstuhl ist es schön, könnte man nur etwas sehn...
Hier geht´s am Grat entlang, zumindest sehe ich den Vordermann...
Besser könnt´ das Wetter für uns nicht sein, wir bleiben noch zwei Tage und müssen nicht heim!
Das Jubelpaar bei einer wohlverdienten Pause an ihrem Hochzeitstag
Geigelstein, wir sind deine Bezwinger - der Dame in orange ist es wohl kalt am Finger?
Ein Klettersteig ganz steil mit Seil, wir haben´s geschafft und blieben heil
Die Kampenwand im Hintergrund - wir waren nicht oben - na und?
Viel Regen und Matsch haben unsere Schuhe gesehen - aber es war trotzdem schön!