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Skitourenkurs im Spitzingseegebiet

23.01.2015 - 25.01.2015
Autor: Ott Ursula
Tour-Nr.: 2015-01-11

Spitzkehren, Kicks und Pieps – wie man auf Skiern einen Berg erklimmt

Gespannt waren wir alle, die wir uns von Wolfgang als Tourenleiter zum Initiations-Wochenende in die Welt der Skitouren entführen ließen.

Mit jeder Menge Skier, Stöcken und von Wolfgang zusammengestellter Ausrüstung, die wir im Einzelnen erst im Laufe des Wochenendes kennen lernen würden, ging es im DAV-Bus los Richtung Spitzingsee. Nach angenehmer und staufreier Fahrt hieß es dort dann zum ersten Mal Felle anlegen, in den Rucksack noch Sonde und Schaufel einpacken und LVS-Gerät anschalten. Das und der erste LVS-Funktionstest gelangen dank Wolfgangs und Elkes Anleitung in kürzester Zeit. Ein letzter Blick voller Respekt auf den Berg, der da vor uns lag, und schon ging es los im Gänsemarsch hintereinander her. Aufwärts, dem Berg entgegen, und zwar ganz schön rasch, ganz schön steil.

Und es nktionierte! Dass der fahle Schein der Stirnlampe gerade den Vordermann erkennen ließ und den Berg damit in überschaubare Einheiten unterteilte, war dabei durchaus von Vorteil. Vor allem aber half die Euphorie über die neue Art der Fortbewegung und Wolfgangs Lob, das er schon nach der ersten Etappe anbrachte. Wir waren gut für den Anfang!

Pädagogisch wertvoll war sicherlich im Nachhinein das Aufdrängen der Frage, wie man denn mit diesen Skiern so richtig die Kurve kriegen soll am Ende einer Kehre. Einerseits, weil sich zwischen dem ein oder anderen Kursteilnehmer beim Zurückrutschen bereits ein ganz ungezwungener Kontakt einstellte, andererseits, weil dies den Aha-Effekt in Bezug auf das Erlernen des Kicks bei der Spitzkehre am Folgetag herausforderte.

In dunkler Nacht am Ende vieler Kehren leuchteten uns dann die warmen Lichter der Schönfeldhütte aus der Ferne entgegen. Auch wenn ein Vergleich mit dem Stern über dem Stall in Bethlehem hinkt, nicht nur wegen der Mohren, die wenn überhaupt andere Felle an den Füßen hatten - es war ein berührender Moment, der den Zauber einer Skitour ahnen ließ. Angekommen in der Hütte folgte ein gemütlicher und leckerer Abend in geselliger Runde. Bereits jetzt war allen klar, dass sich das Abenteuer Skitour gelohnt hat.

Am Samstag ging es dann gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück los an einem unpräparierten Trainingshang, an dem Wolfgang uns in die Kunst der Spitzkehren einführte. Dort konnte jeder unter fachkundiger Anleitung nach Herzenslust probieren und trainieren, und Kick um Kick ging es immer steiler bergauf. Wobei die Erläuterung des Kicks Wolfgang vorbehalten bleibt. Der Kick führt im Ergebnis dazu, dass man den freien Ski mit geschickter Bewegung frei von Schnee bekommt, um die Spitzkehre wie ein Profi zu vollziehen.

Nach einer schönen Mittagspause auf der Hütte stand nachmittags ein Lawinentraining an. Dazu machten uns Wolfgang und Elke erst einmal mit den Gerätschaften vertraut. Die Sonde wurde ein- und ausgefahren, Vor- und Nachteile unterschiedlicher Schaufeln demonstriert und wir lernten das Prinzip der Feldlinien auf dem LWS-Gerät kennen, indem wir sie selbst abliefen und die Strecke mit Skistöcken markierten.

Dann folgte der Trainingsfall im Gelände, bei dem die einzelnen Phasen der Rettung mehrfach eingeübt wurden. Zum Respekt vor einem Lawinenunglück und dem festen Vorsatz, auf alle Anzeichen zu achten, paarte sich nach unerbittlich vielen Durchläufen die Vertrautheit mit dem LVS-Gerät „Pieps“ und das Gefühl, dass der Ablauf der Suche nach einem Verschüttetem einem in Fleisch und Blut übergegangen war. Außerdem lernten wir den Aufbau des Schnees mit seinen unterschiedlichen Lagen kennen. Das Training war hart, aber herzlich und hat sich uns tief ins Gedächtnis eingegraben.

Am Sonntag gab es dann zur Belohnung für die Trainingseinheiten eine echte kleine Skitour. Davon konnte uns selbst das Schneetreiben nicht abhalten, das die andere Gruppe auf der Hütte zum Verbleiben im Warmen verleitete.

Hochgefühle begleiteten uns, als wir vorbei an unserem kleinen Trainingshang vom Vortag zur Talstation eines nicht betriebenen Lifts abfuhren, denn wir wussten, wir kommen da wieder hinauf! Und in fast schon routinierten Spitzkehren zog die Karawane los, Rhythmus stellte sich ein und mit jeder Kehre stieg die Vorfreude auf die fantastische Tiefschneeabfahrt, die uns am Ende erwartete.

Diese war ein so großer Spaß, dass wir motiviert zum zweiten Mal aufstiegen. Nachdem aber noch die Rückfahrt nach Ansbach anstand, setzte die Zeit dem Traum irgendwann ein Ende. Die Abfahrt zum Parkplatz führte uns am Ende nochmal vor Augen, welche Höhen wir bereits am ersten Abend in der Dunkelheit erklommen hatten. Am Parkplatz konnten wir ein letztes Mal unsere neuerworbenen Kenntnisse zum Ausgraben von Gegenständen aus dem Schnee unter Beweis stellen. Dank eingespieltem Team im Umgang mit Schaufeln hatten wir den DAV-Bus in kürzester Zeit aus dem Neuschnee befreit.

Wir haben viel gelernt und viel gelacht! Und auch als erfahrene Skifahrer wohl noch nie eine Abfahrt so genossen, wie die nach dem ersten Aufstieg aus eigener Kraft…

Vielen herzlichen Dank an Wolfgang und Elke für die zwei unvergesslichen Tage!

 

Fertigmachen zum Aufstieg
Spitzkehrentraining
oder Tanz im Schnee? :-)
Elke erklärt das LVS-Gerät
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Trotz dickem Schneefall eine kleine Tour
Aufwärmen ist nötig!