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Tourencamp im Vinschgau

30.04.2015 - 03.05.2015
Autor: Robert Berton
Tour-Nr.: 2015-02-92

Besondere Leckerli im Vinschgau

Mountainbiken in den Alpen über den 1. Mai? Wenn in zahlreichen Skigebieten gerade die Saison endet, wollen wir Pedalritter tatsächlich die Berghänge hinauf und (in aller erster Linie) hinunter fahren? Etwas Skepsis bezüglich der Wetterbedingungen wog bei der Anmeldung zur Tour schon mit und sollte auf der Anreise noch deutlich ansteigen. Aber immer der Reihe nach.

Abfahrt in Ansbach war am Donnerstag, dem 30.04. um 5:15 Uhr. Um pünktlich zu starten, hatten wir bereits am Vorabend die Bikes in den Vereinsbus verladen. Die Wetteraussichten auf die kommenden Tage waren alles andere als gut. Bis auf Samstag war durchweg Regen gemeldet. Dennoch war die Vorfreude bei allen 8 Teilnehmern der Tour groß. Ein jeder freute sich nach dem Winter endlich mal wieder in den Bergen zu biken. Auf dem Weg ins Vinschgau spannte uns der Wettergott auf eine harte Folter. Aus gelegentlichem Regen wurde Dauerregen und auf dem Reschenpass angekommen, war um uns herum alles mit frischem Schnee bedeckt.

Auf den letzten Kilometern zeigte sich jedoch das besondere Vinschgauer Klima. Es herrschte warmes und trockenes Wetter, sodass wir am Zielort Latsch bei rund 15° und herrlichstem Sonnenschein die Fahrräder entladen und unsere Zimmer in der Pension beziehen konnten. Schnell wurden die Bike-Klamotten angezogen, die Rucksäcke gepackt und die Mountainbikes gecheckt, um bereits Mittag die erste Tour zu starten.

Die ersten Kilometer bis nach Morter waren noch ein lockeres Einrollen durch Plantagen mit blühenden Apfelbäumen. Dann folgten die ersten steilen, aber noch recht kurzen Anstiege zu den Waalwegen. Waale sind kleine Bewässerungskanäle, die mit geringem Gefälle in die Berghänge gehauen wurden und meist von schmalen Wegen begleitet werden. Nach dem Rautwaal-Weg ging es gleich weiter auf dem Neuwaal-Weg bevor der erste ordentliche Anstieg auf uns wartete. Dieser führte uns zum 4-Gewinnt-Trail. Hier bekamen wir einen ersten Vorgeschmack auf das, was die kommenden Tage noch auf uns warten sollte: Trail-Vergnügen der Extraklasse. Dass aus Vergnügen jedoch auch ganz schnell Schmerz werden kann, bekamen zwei der Teilnehmer leider zu spüren. Nach einem Sturz war für beide der Mountainbike-Spaß mehr oder weniger zu Ende.

Zum Abschluss der ersten Runde ging es zurück nach Latsch um im Cafe die italienische Lebensart zu genießen. Für fünf von uns sollte der Mountainbike-Tag aber noch nicht zu Ende sein. Mit der Seilbahn schafften wir zunächst auf bequeme Art und Weise die1100 Höhenmeter von Latsch nach St. Martin im Kofel. Oben angekommen war die Vorfreude auf den Downhill bereits riesig. Nach einem kurzen „Gipfelbild“ ging es auch schon los. Wunderbare Mountainbike-Trails im S1 und S2 Bereich (Singletrail-Skala) zauberten ein breites Dauerlächeln in unsere Gesichter. Unser Tourguide Lukas führte uns über den Tchili-Trail und den Sunny-Trail zielsicher ins Tal nach Goldrain.  Von dort aus ging es die letze Strecke des Tages zurück nach Latsch, wo wir noch auf das ein oder andere Radler einkehrten. Am Abend ging es mit der ganzen Truppe in Wolfis Stübele. Hier hat es uns von der ersten Sekunde an so gut gefallen, dass wir auch an den Folgeabenden in kein anderes Restaurant wollten.

Am Freitag wartete ein besonderes Leckerli auf uns: der Holy-Hansen-Trail. Nach dem Einrollen nach Morten (diesmal auf einer anderen Route) wurde es richtig knackig. Auf 9 km Länge überwand der Anstieg ziemlich genau 1000 hm. Der Waldweg zog sich richtig mystisch durch die tiefhängende Wolkendecke hindurch bis zum Morter Leger. Dort angekommen hieß es rasch nasse Kleidung gegen trockene und warme zu tauschen - auch wenn manch einer dann wie ein Michelin-Männchen aussah ;-)

Vom Morter Leger aus ging es noch rund 2 km auf und ab, an noch zugefrorenen Weihern vorbei, zum Einstieg in einen der berühmtesten MTB-Trails in den Alpen: Der Holy Hansen war der erste MTB-Trail im Vinschgau und ist auch heute noch durch ständige Erweiterungen sehr beliebt. Das Fazit von uns allen war einheitlich: dieser Weg ist legendär! Mit Adrenalin und reichlich Glücksgefühlen sind wir dann für eine kurze Rast nach Schlanders gerollt. Nach einem Snack wartete dann der zweite Anstieg des Tages auf uns. Bei Nieselregen ging es 350 Höhenmeter hinauf zu Schloss Annaberg. Von dort war es nur noch „ein ganz kurzer Anstieg“ (O-Ton Lukas) von reichlich 100 hm, die z.T. nur schiebend bewältigt werden konnten, zum Einstieg in den Downhill. Hinab ging es erneut auf dem Sunnytrail nach Goldrain und von dort zurück nach Latsch. Nach dem Feierabend-Bier und dem Abendessen ging es zum Ausklang des Tages in die Bahnhofsbar.

Der Samstag wartete mit Kaiser-Wetter auf uns. Lukas führte uns nach dem Frühstück nach Goldrain und über schmale Wege nach Vetzan, von wo aus es auf Asphalt 700 hm nach oben führte. Ziel war der Propain-Trail, der erst zwei Wochen zuvor eröffnet wurde. Nach einer kurzen Rast am Einstieg ging es auf dem Trail hinab nach Schlanders. Auch hier waren wieder Fahrtechnik (Schwierigkeitsstufe S1) und standhafte Bremsen gefragt.

Nach einer Pause in Schlanders ging es wieder den Berg hinauf zum Zaalwaal-Weg welcher uns nach Kortsch führte. Von dort ging es im Etsch-Tal durch unzählige Apfelplantagen hindurch nach Morter und von dort hinauf zur Burgruine Obermontani. Dort angekommen wurden wir von Lukas komplett überrascht. Er holte aus seinem Rucksack eine Kanne und setzte frischen Kaffee an. Von der Ruine führte uns schließlich ein Singletrail direkt zum Biergarten, wo der Flüssigkeitsverlust des Tages wieder ausgeglichen wurde. Auf dem Rückweg nach Latsch gab es leider noch einen technischen Defekt, der zu einem Sturz führte. Zum Glück blieb es aber bei Schürfwunden. Nach dem erneuten Besuch in Wolfis Stübele  am Abend führte uns der Weg wiederum über die Bahnhofsbar zur Pension.

Der Sonntag begann reichlich früh. Bereits um 7 Uhr gab es Frühstück, damit wir pünktlich um 8 Uhr die Seilbahn nach St. Martin nehmen konnten. Der letzte Downhill des Wochenendes stand uns bevor. Diesmal ging es anfänglich über den Easy Trail und den Tchili-Trail auf den bekannten Sunny Trail. Die tiefhängenden Wolken stellten vor allem zu Beginn des Downhills eine Herausforderung dar.
Durch den Nebel hindurch haben wir uns den Weg nach unten gebahnt. Überglücklich aber dennoch etwas wehmütig ging es schließlich zurück nach Latsch. Gern wären wir noch weitere Trails hinab gefahren. Nachdem Räder und Fahrer gereinigt waren, ging es ein letztes Mal ins Cafe, bevor wir uns auf die Heimfahrt nach Ansbach machen mussten.

Fazit: Das Tourencamp war ein idealer Einstieg in die Bike-Saison. Es hat die Messlatte für weitere Touren in diesem Jahr äußerst hoch gelegt. Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an Lukas, der für uns super Touren herausgesucht und uns zielsicher gelotst hat.

Auf die Frage, ob kommendes Jahr Teil 2 stattfinden soll, kam von allen umgehend die Antwort: „JA, UNBEDINGT! „

Auf Augenhöhe mit dem Ortler
Seilbahnauffahrt Sankt Martin am Kofel
Kleine Zwischenpause
Peter - hoch konzentriert
Kurven ohne Ende
Herrliche Ausblicke auf Schlanders und die Ortlergruppe
Glückliche Gesichter
Doppelter Espresso im Trail
Freeride-Tobi
Einfach laufen lassen am Holy-Hansen-Trail
Panoramaausblick