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Wanderung im Rofan-Gebirge

01.08.2015 - 03.08.2015
Autor: Heidi Ulm-Rosenberger
Tour-Nr.: 2015-02-67

Begegnung mit dem persönlichen Alptraum

Wie wichtig Erfahrungsberichte sind, habe ich gemerkt, als ich vor ein paar Tagen meine allererste alpine Wanderung mit der DAV Sektion Ansbach ins Rofan-Gebirge gemacht habe.

Ich fragte zwar schon mal vorher Herrn Google, wo ist denn eigentlich das Rofan? Das Rofan-Gebirge (Sonnwendgebirge) ist der westliche Teil der Brandenberger Alpen in Tirol. Umrahmt wird es vom benachbarten Karwendel (im Westen), den bayrischen Tegernseebergen (im Norden), dem Kaisergebirge (im Osten), den Kitzbühler Alpen (im Süden) und den Tuxer Alpen (im Südwesten), sagte Herr Google.

Zur Vorbesprechung ging ich natürlich auch, dennoch hatte ich keine Ahnung was mich erwarten würde: Einsteiger-Wanderung, Trittsicherheit und Kondition für ca 6-8 Std., Bergschuhe, ein bisschen Gepäck und Verpflegung u.s.w., sagt Roland, zusammen mit seiner Frau Birgit unser Tourenleiter. Ich freue mich, denn das ist MEIN URLAUB.

 

So ging's denn los, um 7.30 Abfahrt mit dem schönen blauen Bus des DAV Ansbach. Roland und seine Frau Birgit als Copilotin übernehmen die Fahrt und umschiffen gekonnt den Stau auf der Autobahn (ein Meisterstück, alle Achtung Birgit).

So gegen 12.30 erreichen wir Maurach (960m Höhe), unser Ziel. Birgit handelt einen super kostenlosen 3-Tages-Parkplatz aus, und wir können getrost in unser gutes Vesper beißen.

Gut gestärkt und guter Dinge begeben wir uns, das sind Birgit, Silvia, Elke, Roland, Oliver, Jose, Norbert und ich zum Aufstieg.Wir wandern auf guten Wegen durch Wald und Wiese den 401er Weg Mauritz –Niederleger. Unser Ziel ist die Erfurter Hütte (1834 m Höhe), die wir auch nach 3,5 Std. erreichen. Wir haben super Wanderwetter, schön warm, aber nicht heiß, klare Luft und gute Sicht.

Die Erfurter Hütte ist ein Traum, wunderbar gemütlich, unser 8-Betten-Lager ist super bequem. Was mich echt überrascht hat, sind die guten Matratzen in den Stockbetten (die ich, jetzt in den besten Jahren angekommen, mit diversen Befindlichkeiten, sehr zu schätzen weiß.) Ankommen, auspacken, sich noch ein bisschen frisch machen, und dann? Es ist erst 16.30, und Roland, Birgit, Silvia, Elke und Norbert haben noch Energie und Lust, den Gschöllkopf mit 2039 m Höhe zu besteigen und den Adlerhorst aus Metall zu besichtigen.

Das Panorama im Rofan ist etwas ganz besonderes, das grün-blau schimmernde Wasser des Achensees liegt zu Füßen, die ganze Bergwelt um den Rofan herum ist atemberaubend, “was bist du Mensch?“, denke ich mir beim Anblick dieser Mächtigkeit. Jose und Oli ziehen sich ein bisschen zurück, und ich nehme mir etwas Stille am See, der um die Ecke liegt und vor sich hin blubbert, durchstreife die Waldwege Richtung Dalfazer Alm und denke über den Segenswunsch an der Gedenktafel von Pater Wilfried Lutz nach. Ein schöner Ausklang für einen schönen Tag.

 

Tag zwei beginnt mit Regenwetter, Wolkenwänden und der Hoffnung, es wird besser werden. Nach einem reichhaltigem Frühstücksbüffet lassen wir uns noch ein bisschen Zeit und gehen um 9 Uhr Richtung Dalfazalm (Höhe 1692 m, Weg 413) los. Die ursprünglich geplante Route können wir nicht gehen. Der Weg zur Dalfazalm ist wunderschön, alte hohle Bäume, moosbewachsene Steine, Preiselbeerbüsche, wie im Auenland J. Auf der Dalfazalm begrüßt uns eine warme Gaststube und eine gut gelaunte Wirtin. Es nieselt und nebelt immer noch vor sich hin und will nicht weichen. Wir nutzen die Zeit, um gemütlich zu plaudern und ein Süppchen, ein Stück Kuchen usw. zu genießen. Unterdessen trocknen die Jacken, und die Knochen werden wieder warm. Als sich abzeichnete, dass es heute nicht so schnell besser wird, ziehen wir trotzdem weiter Richtung der Hochiss, des höchsten Gipfels des Rofan (Höhe 2299 m, Weg 413), im Laufe des Weges ließ der Regen dann nach. Unterhalb der Hochiss wird der Weg schmaler, steiler und damit fordernder. Der regennasse Boden macht das Ganze nicht einfacher, Trittsicherheit ist notwendig. Nach dem Steinernen Törl kommt eine kleine Kletterstelle, die drahtseilgesichert ist. “Für Bergerfahrene zu gehen, Schwindelfreiheit ist erforderlich“, entnehme ich später dem Internet. Da hapert es bei mir, weder bin ich bergerfahren noch schwindelfrei. Die letzten Meter zur Hochiss sind dann relativ einfach. Am Gipfel angekommen, nehme ich dankbar den Psalm 104 von Birgit an. Die Mühe ist schnell vergessen, und bedauerlich ist nur die schlechte Sicht. Über Schotterwege geht’s den 413er Weg runter Richtung Erfurter Hütte. Den Gschöllkopf (Höhe 2039 m) besteigen wir im Vorbeigehen – schade nur, dass die Wolkendecke immer nur kurz aufreißt. Trotzdem ein schöner Tag, und Silvia durfte ein bisschen kraxeln, was sie doch so gerne macht. J

 

Tag drei belohnt uns mit einem herrlichen Sonnenaufgang. Heute ist herrlichstes Bergwetter. Um 8.30 geht’s los, heute wandern wir über die Haidachstellwand (Höhe 2192 m) zur Rofanspitze (Höhe 2260 m).

Von der Erfurter Hütte weg führt ein Weg zwischen großen Gesteinsbrocken hindurch, erst ein bisschen runter, dann auf Wiesenwegen steil hinauf. Die Haidachstellwand wird mein persönlicher Alptraum. Die meisten Menschen haben irgendwelche Phobien, manche meiden große Plätze, manche den Fahrstuhl, andere haben Arachnophobien, bei mir ist es die Höhe. Ich oute mich für Menschen denen es genauso geht. Schritt für Schritt am Fels hoch, sich an Grasbüscheln und Felsvorsprüngen festzuklammern – das ist nicht mein Ding. In den letzten zwei Jahren sind zwei Menschen in meinem weiterem Bekanntenkreis abgestürzt, und ich kann nicht weiter vor lähmender Panik. Zum Abschluss noch eine 50m lange Kletterstelle, und es war überstanden. Roland las auf dem Gipfel den Psalm 8, und ich betete für mein Leben. Jetzt nur noch um den Krahnsattel herum und ganz sachte auf die Rofanspitze hoch – es hat sich gelohnt! Die Sicht war berauschend. Die Welt liegt einem von der Rofanspitze aus zu Füßen, ein Blick so weit in die Bergwelt nach allen Richtungen, über Fluss und Täler, Gipfel und Himmel, unbeschreiblich schön. Nach dem Rückmarsch zur Erfurter Hütte erfolgte der Abstieg bequem mit der Seilbahn (nur aus Zeitgründen), und nach einer Abkühlung und Stärkung im bzw. am Achensee brachten uns Elke und Roland mit dem Bus wieder sicher nach Hause, Ankunft in Ansbach um 22:00 Uhr.

 

Was ich für mich persönlich mitnehmen kann, ist die Schönheit der Bergwelt, die stimmige Gemeinschaft der Wanderkollegen – ich danke euch für euer Verständnis und eure Geduld. Zur Vollkommenheit des Lebens, gehört auch die Freiheit zu scheitern und trotzdem immer wieder neue Versuche zu wagen.

 

Zum Abschluss leg ich noch einen Bibelvers bei:

„Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“

 

Die Erfurter Hütte
Ein imposanter Anblick: der Gschöllkopf
Zweiter Tag: Abmarsch im Regen
Die Dafalzalm
Kletterstelle auf dem Weg zur Hochiss
Am Gipfel der Hochiss
Kletterstelle an der Haidachstellwand
Achensee mit der Erfurter Hütte
Am Gipfel der Haidachstellwand
Gipfelfoto auf der Rofanspitze