Hochtour Zillertaler Alpen/Schwarzenstein

11.09.2015 - 13.09.2015
Autor: Dietrich Kriworotow
Tour-Nr.: 2015-02-36

Vom Almabtrieb, gepflasterten Wanderwegen und unterschiedlicher Wahrnehmung

Voller Vorfreude sind zunächst acht begeisterte Bergsteiger in Richtung Zillertal aufgebrochen. Ziel war der Gasthof Breitlahner auf 1200m Seehöhe. Von dort aus ging es dann mit Strudelstopp auf der Rosenhütte zur Berliner Hütte. Dort angekommen gab es auch schon die erste Überraschung. Wegen des Almabtriebs, der einmal jährlich stattfindet (was für ein Zufall!!), würde es die ganze Nacht über laut sein und deshalb hat die Hüttenwirtin uns im Winterlager untergebracht. War dann aber gar nicht so schlimm, da wir auf diese Weise ein ganzes Lager für uns allein hatten. Gegen Abend stießen dann noch die drei Workaholics zu uns, die noch den halben Freitag arbeiten wollten und somit war die Gruppe komplett. Nach einem deftigen Tiroler Abendmahl begaben wir uns bald ins Bett, um die Tour ausgeruht angehen zu können.

Am nächsten Morgen ging es zeitig gegen 7:30 Uhr los, zunächst über einen beinahe gepflasterten Wanderweg, stetig aber langsam bergauf. Ca.1350 Höhenmeter lagen vor uns und nach zwei bis drei Stunden begann die Umgebung sich zu verändern. Der anfangs noch gepflasterte Weg wurde immer steiler und ausgesetzter bis wir schließlich in einer Steinwüste ankamen, die der zurückweichende Gletscher hinterlassen hat. Das Eis hat eine solche Kraft auf das Gestein ausgeübt, dass der Untergrund stellenweise vollständig glatt geschliffen war. In Verbindung mit gefrorenen Rinnsalen frischen Schmelzwassers ergab das eine gefährliche Kombination und höchste Vorsicht war geboten. Dieser Ausläufer der Moräne zog sich in einem ständigen Auf und Ab dahin bis wir am Gletscher angekommen waren. Da in den Tagen zuvor frischer Schnee gefallen ist, erstreckte sich der gesamte Gletscher in einem prachtvollen Weiß vor uns und wir konnten bis zum Gipfel des Schwarzensteins hinauf schauen. Das Ziel fest vor Augen, wurden die Steigeisen geschnallt und die Eispickel ausgepackt und es ging in zwei Seilschaften geführt von Armin und Günter in geschwungenen Serpentinen den bis zu 30° steilen Hang hinauf. Diejenigen von uns, die die Sonnenbrillen zu Hause gelassen hatten, haben es spätestens jetzt bereut, denn die Sonne strahlte in ihrer ganzen Pracht und der reflektierende Schnee machte es unmöglich die Augen zu schonen. Bei einem solchen Wetter ist das natürlich jammern auf höchstem Niveau.

Es blies ein starker Föhn aus dem Süden und gelegentlich schwappten die auf der Südtiroler Seite angehäuften Wolkenmassen über den Schwarzenstein und benachbarte Gipfel. Gegen Mittag war es dann soweit und der gesamte Gipfel hüllte sich in eine milchige Brühe. Für uns bedeutete dies die letzte Stunde unseres Aufstiegs im totalen Nebel zu bewältigen. Dank des hervorragenden Orientierungssinns unserer Führer und der Hilfe moderner Technik kamen wir sicher am Grat an und nach einer kurzen Kletterei war der Gipfel des Schwarzensteins auf einer Seehöhe von 3370m erreicht. Dort gab es erst einmal einen Schnaps für die erschöpften Bergsteiger. Da der Ausblick sehr milchig war, haben wir die Gipfelzeit aufs nötigste beschränkt und sind gleich wieder den Rückweg angetreten. Durch die schlechten Sichtverhältnisse waren wir dabei gezwungen, zur Berliner Hütte zurück zu kehren. Dies wurde jedoch von allen begrüßt, da die Hütte sehr gemütlich und fürs leibliche Wohl bestens gesorgt war. Der Abstieg ging deutlich schneller von statten, so dass wir bereits nach vier Stunden das erste Seidla in der Hand hatten.

Erstaunlich war, dass auf dem Rückweg jeder dachte, einen ganz anderen Weg zurück zu gehen als auf dem Hinweg, obwohl es derselbe war. Das zeigt wie unterschiedlich die Wahrnehmung von den eigenen Erwartungen abhängt.

Nach einem feuchtfröhlichen Abend und einem, nach elf Stunden und 1350 Höhenmeter, wohlverdienten und langen Schlaf brachen wir am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück wieder ins Zillertal auf, wo wir die Hochtour bei einem deftigen Mittagessen im Gasthof Breitlahner ausklingen ließen.

Insgesamt waren alle Bergsteiger mit der Hochtour sehr zufrieden und man hatte das Gefühl, die Gruppe ist trotz der kurzen Verweildauer im Zillertal fest zusammengewachsen.

 

Aufstieg zur Berliner Hütte
Berliner Hütte
Die Empfangshalle der Berliner Hütte
Die letzten Meter zum Gipfel
Die ganze Gruppe- im Hintergrund der Große Möseler
Rast mit Blick zum Olperer
Der Schwarzenstein