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Felsgrundkurs im Hirschbachtal

07.05.2016 - 08.05.2016
Autor: Eckard Dürr
Tour-Nr.: 2016-01-32

Keine leichte Aufgabe, Halbmastwurf, gesteckten Achter oder Sackstich zu beherrschen...

Wenige Minuten nach 8 Uhr stiegen wir den ausgetretenen Pfad am Ortsrand von Hirschbach hinauf. „Jetzt den Helm aufsetzen“, sagte Alex Härtlein und blieb stehen. „Steinschlaggefahr! Schon der kleinste Brocken kann schwerste Verletzungen auslösen.“ Der Fels, von dem etwas herabfallen könnte, war zwischen den Bäumen schon auszumachen: die Mittelbergwand, unser Übungsgelände.

Felsgrundkurs – das sind zwei Abende Theorie und zwei Tage Praxis. Einheiten, in denen Alex und sein Assistent Sascha Enser den Teilnehmern beibringen, wie sie möglichst gefahrlos klettern und bergsteigen. Unfälle am Berg seien nicht auszuschließen, so Alex. Aber man könne das Risiko stark verringern – durch richtige Ausrüstung, ausreichende Kenntnisse in der Sicherungstechnik sowie durch Vorsicht und Rücksicht am Berg. Und natürlich durch den gewissenhaften Partnercheck.

Die Mittelbergwand blieb für uns sechs Kursteilnehmer zunächst tabu. Erst nochmals Trockenübungen am gespannten Seil: Halbmastwurf, Mastwurf, Prusik, gesteckter Achter, Sackstich, Schleifknoten. Dann die Praxis. Schweißtreibend, sich mit zwei Prusikschlingen an einem Seil den Fels hoch zu arbeiten, gerade wenn die Vormittagssonne auf dem Fels liegt. Toprope gut gesichert den Klettersteig hinaufzusteigen oder gar das Abseilen ist um einiges bequemer. Und dann die heikelste Übung, die Alex für ausgesprochen wichtig hält, wenn eine Seilschaft auch kritische Situationen meistern soll: mit dem Seil, an dem der Kamerad oder die Kameradin hängt, einen Flaschenzug bauen und das „Opfer“ hoch ziehen. Prusik, Seilrolle, Karabiner sowie und die kompetente Kontrolle von Alex und Sascha – schon hatten wir unser Erfolgserlebnis. Der herrliche Blick ins besonnte Hirschbachtal während der Mittagspause war verdienter Lohn.

Nachmittags kamen die weniger kräftezehrenden Module an die Reihe. Nämlich selbst gesichertes und kontrolliertes Gehen am Seil, aufwärts und abwärts, Sicherung und richtiges Verhalten in einer Zweierseilschaft. Letzteres allerdings im relativ ebenen Gelände, eine Art Trockenübung. Genau das Richtige, um zu verstehen, wie Tube und HMS-Karabiner zum Sichern verwendet werden und der Vorsteiger einen sicheren Stand baut. So nebenbei brachte Alex uns die wichtigsten Kommandos in der Seilschaft bei.

Weil erst Üben und Wiederholen die Kenntnisse festigt, gab es am zweiten Tag die wichtigsten Elemente nochmals im Schnelldurchgang, bevor das sichere Abseilen an der Reihe war. HMS-Karabiner, Achter, Tube – alles taugliche Geräte, die jeweils ihre Stärken haben, wenn man sie korrekt anzuwenden weiß. Mit einem Prusik hat man am Seil eine Sicherung. Und wenn man am Seil hängend stoppen muss – beispielsweise wenn das Seil zu Ende ist -, dann ist der Schleifknoten mit einem zusätzlichen Sicherungsknoten eine absolut zuverlässige Sache.

Übrigens Schleifknoten. Zumindest ich hatte zunächst meine Schwierigkeiten, die notwendigen Handgriffe zu verstehen und umzusetzen. Die Geduld von Alex, der schließlich auch noch eine Nachhilfeeinheit am Abend gab, hat sich gelohnt! Danke!

Der absolute Höhepunkt an Bergabenteuer kam zum Schluss – das Abseilen über etwa 25 Meter am Überhang der Mittelbergwand. Vertrauen ins Seil, in den Karabiner und das Abseilgerät, in das Erlernte und letztlich in sich selbst. Ein bisschen Respekt vor der Aufgabe hatte jeder. Aber auch Freude und Stolz daran, es geschafft zu haben. Die meisten wiederholten die Übung, Hermann (unser Senior) sogar mehrfach. „Weil ich das in meinem Leben vielleicht nie mehr tun werde“, so seine Begründung.

Entspannend und gesellig war der Abend im nahen Erlebniscenter jura alpin. Dessen Besitzer Manfred Salcher zauberte am Grill das verdiente Abendessen, das wir auf der Terrasse mit Blick auf die Mittelbergwand genossen. Danach noch ein bisschen Geselligkeit bei Getränken – und einem Zirpenlikör, dessen Entstehung Manfred bis ins Detail schilderte.

Alex behält von oben den Überblick