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Skitour Lechtaler Alpen, Kaisers

26.02.2016 - 28.02.2016
Autor: Tilman Botsch
Tour-Nr.: 2016-02-18

Steile Hänge und beeindruckende Schneewächten im Lechtal

"Ist jeder von Euch in der Lage, den Hang, den wir gerade hochgekommen sind, auch wieder runterzufahren?" lautete die Frage unseres Führers Andi am zweiten Tag unseres verlängerten Skitourenwochenendes auf dem Edelweißhaus in Kaisers in den Lechtaler Alpen. Wirklich sinnvoll war es natürlich nicht, eine solche Frage erst nach Durchsteigen des Hanges zu stellen. Aber schließlich waren wir alle sehr wohl zu solchen Abfahrten fähig und außerdem waren ja schon in der Tourenausschreibung Hangneigungen bis zu 38° angekündigt. Dass dann aber tatsächlich fast jeden Tag richtig knackige Abfahrten auf uns warteten, hat die meisten von uns doch überrascht.

Unser Ausgangspunkt war das 1530 m hoch gelegene Edelweißhaus in Kaisers, vor wenigen Jahren neu renoviert mit eigenem Bad und WC auf fast jedem Zimmer und einem Hüttenwirtspaar, das die Hütte erst einen Monat zuvor übernommen hatte und stets Freundlichkeit, Zuversicht und Idealismus ausstrahlte. Noch dazu war die Hütte sehr bequem erreichbar. Der Weg vom Parkplatz zur Sonnenterrasse war asphaltiert und nur wenige Meter lang. Man konnte also bis vor die Türe fahren. Ideale Voraussetzungen für uns, die wir am frühen Freitagmorgen in Ansbach abfuhren und am gleichen Tag noch auf einem Gipfel stehen wollten.

Bei strahlendem Sonnenschein ging es los. Auf der Altschneedecke lag ein Hauch von Neuschnee und direkt hinter der Hütte zogen wir über einen von einzelnen Bäumen und Sträuchern unterbrochenen Hang hinauf zum 2210 m hohen Hahnleskopf. Nur eine kurze Trinkpause gönnte uns Andi auf diesem unserem ersten Gipfel. Schließlich wollten wir noch weiter hinauf und deshalb keine Zeit verlieren. Über einen breiten Bergrücken marschierten wir ausgehend vom Hahnleskopf zunächst leicht abwärts und dann fast eben weiter, das Kaisertal mit unserem Ausgangspunkt zur Rechten und nach links in den Talkessel des Obergrießtals blickend. An dessen nordöstlichem Ende befand sich unser heutiges Ziel, die 2622 m hohe Grießtaler Spitze. Spektakulär aber ungefährlich fuhren wir knapp unter einer großen Schneewächte in den Talkessel des Obergrießtals hinab. Nur zwei andere Skibergsteiger waren vor uns unterwegs und wir folgten deren Spuren in Richtung Gipfel. Bei einer längeren Rast tankten wir neue Energie und meisterten den letzten, mit unzähligen Spitzkehren gespickten Anstieg zum Talende. Oben am Kamm war der Schnee komplett abgeblasen und in Richtung Osten zu Schneewächten von beeindruckenden Ausmaßen verfrachtet. Zu Fuß ging es über Fels entlang des Grats und weiter zum Gipfelhang. Auch eine sich uns unverschämterweise am Grat in den Weg stellende Felswand konnte uns nicht schrecken. Dank Andis vorbildlicher Hilfe schafften auch wir weniger kletterkundigen Skitouristen es, einige Meter mit Skistiefel rückwärts durch einen kleinen Felseinschnitt abzuklettern. So lag jetzt nur noch der zwar anstrengende und steile aber unschwierige Gipfelhang vor uns und zwanzig Minuten später genossen wir die herrliche Aussicht vom Gipfel. Vom Hochtannbergpass im Westen bis nach Reute im Nordosten überblickten wir das Lechtal und die Gipfel des gegenüberliegenden Allgäuer Hauptkammes.

Die Abfahrt war Herausforderung und Erlebnis zugleich. Die ersten Meter ausnehmend steil, dann je nach Hangausrichtung mal herrlicher Pulverschnee, mal von der Sonne erwärmt und schon etwas schwerer. Am Ende des Oberen Grießtales fellten wir nochmal auf, um über den Bergrücken des Hahnleskopfes wieder ins Kaisertal zurückzukommen. Bei herrlicher Abendstimmung fuhren wir über schon recht weichen Firn hinunter in das bereits im Schatten liegende Kaisers, um auf der Terrasse des Edelweißhauses die Tour Revue passieren zu lassen.

Als Ziel des zweiten Tages suchten wir uns den Grießkopf aus. Mit 2581 m etwas niedriger als das Ziel des Vortags, aber deutlich weiter entfernt von der Hütte. Zuerst ging es fast eine ganze Stunde lang flach hinein ins Kaisertal bis zur Kaiseralpe. Dort wichen wir von der Trasse der meisten anderen Skibergsteiger ab und wandte uns nach rechts, um über zwei steile nach Nordosten ausgerichtete Anstiege zum südwestlichen Gipfelhang des Grießkopfs zu kommen. Zunächst ging es durch einen steilen Dobel , dann über eine mit großen Felsblöcken durchsetzte Ebene und anschließend landschaftlich beeindruckend über eine steile Rampe zwischen zwei Felswänden hindurch. Jeder von uns kam bei diesen Passagen kräftig ins Schwitzen, am meisten aber Matthias, dessen Felle sich prompt an der steilsten Stelle in solchem Ausmaß von den Ski lösten, dass er abschnallen und diesen steilsten Abschnitt zu Fuß meistern musste. Nach den beiden Steilpassagen erreichten wir den in wunderbarer Sonne liegenden Talkessel unterhalb des Kaiserjochs, den wir für eine ausgiebige Mittagsrast nutzten. Anschließend ging es vorbei am Kaiserjochhaus hinauf auf den fast 300 Höhenmeter langen und steilen Gipfelhang des Grießkopfs. Diesmal konnten wir mit Ski bis zum Gipfel und hatten Blick steil hinab ins Stanzertal nach Pettneu und den benachbarten Ortschaften. Im Westen grüßte unübersehbar die Valluga und im Osten die Hausberge unserer Ansbacher Hütte.

Rassig dann die Abfahrt über den Gipfelhang bei herrlicher Sonne und hoch über Kaiserjochhaus und Stanzertal. Die Schneeverhältnisse waren etwas besser als am Vortag, dafür der Hang aber durchgehend sehr steil. Natürlich meisterten wir die Gipfelabfahrt mit Bravour und auch die noch folgenden nordseitigen steilen Couloirs. Dort aber wurden wir immer wieder von wechselndem Untergrund überrascht, der sich unter dem trügerisch alle Unebenheiten überdeckenden Neuschnee versteckte. Der eine oder andere Sturz konnte auch von uns leider nicht vermieden werden.

Am dritten und letzten Tag sollte ein schnell zu erreichender Gipfel unser Ziel sein. Nur ungefähr die Hälfte der Strecke zur Kaiseralpe marschierten wir auf dem Forstweg hinein ins Kaisertal. Dann verließen wir den Talgrund nach Osten und strebten in nahezu direkter Linie der Guflespitze zu. Zunächst steil und abenteuerlich durch den Wald, dann über Schneefelder mit wechselnder Steilheit erreichten wir schließlich den Grat oberhalb des Kaisertals. Wieder war der Grat bis auf die Grasnabe abgeblasen und mächtige Schneewächten konnten bewundert werden. Aufgrund des unbeständigen Wetters und eines kräftigen Föhnsturms blieben wir nur kurz am Gipfel und stürzten uns schnell wieder auf die Abfahrt. Diese war überraschend gut. In den hohen Lagen konnten wir durch schönen Pulverschnee schwingen und weiter unten hatten wir sehr gut zu fahrenden Firn. Ganz am Ende ging es nochmals abenteuerlich und eng zwischen Latschenkiefern und steilen Felsen hindurch, bis wir wieder sicher auf dem Forstweg im Talgrund ankamen. Noch eine gemütliche Rast im Tal, eine Stunde später ein letztes Radler auf der Terrasse des Edelweißhauses und dann ging's zurück nach Ansbach, wo sich die Tourteilnehmer Ewald, Matthias, Günther, Tobias, Matthias und Tilman bei Andi herzlich für die umsichtige Führung und die gelungene Auswahl der Ziele bedankten. "Das war spitze!!"

Aufstieg am Freitag
Am Gipfelgrat der Grießtaler Spitze
..und ein bisschen Kletterei
Auf dem Gipfel der Grießtaler Spitze
Im Lechtal
Traumhafte Bedingungen!
Auf dem Gipfel des Grießkopfes