Alpine Wanderung im Rätikon mit Sulzfluh

09.09.2016 - 11.09.2016
Autor: Axel Zwiener
Tour-Nr.: 2016-02-61

Die ständige Hoffnung auf eine Wadelmassage

Tourenleiter: Roland Bräunling

Teilnehmer: Axel, Heidi, Lisa, Matthias, Norbert, Peter, Roland, Walter

Die Hütten und Gipfel, die wir uns vorgenommen hatten, befinden sich etwa 260 km Luftlinie südwestlich von Ansbach und sind im Rätikon gelegen. Um unseren Parkplatz in Latschau zu erreichen, sind wir über die A6, dann die A7 bis Memmingen und von dort über die A96 bis zur Landgrenze Deutschland/Österreich zwischen Lindau und Bregenz und dann weiter auf der A14 bis südlich Bludenz, dann auf der 188 über St. Anton im Montafon und kurz vor Schrunz rechts ab nach Latschau gefahren. Die Fahrzeit betrug etwa vier Stunden. Das Rätikon ist eine Gebirgsgruppe der Ostalpen. Wir wollten überwiegend im österreichischen Teil im Bundesland Vorarlberg wandern und in der Lindauer Hütte und der Tillisunahütte übernachten. Als Hauptgipfel stand die 2.818 m hohe Sulzfluh auf dem Plan.

Freitag:

Pünktlich um 07:00 Uhr starteten wir am Vereinsheim mit zwei Pkws und haben zunächst Peter an der AS Feuchtwangen abgeholt. Bei ruhiger Verkehrslage erreichten wir zügig unseren Parkplatz in Latschau. Parken am Speichersee Latschau/Talstation der Golmerbergbahn ist über Nacht nicht erlaubt. Deshalb wählten wir auch den strategisch günstiger gelegenen Parkplatz P3 (1.012 m). Bereits um 11:30 Uhr waren die Bergschuhe geschnürt, die Rucksäcke gepackt und der Wandertag eröffnet. Die anfängliche Asphaltstraße wechselte rasch in einen Fahrweg, der uns zur wunderschön gelegenen Unteren Alpe Spora (1.448 m) führte. Hier wurden frische Buttermilch, Bergkäse und die üblichen Getränke zu sehr moderaten Preisen angeboten. Der eine oder die andere haben sich dann noch mit einem kleinen Vorrat an Bergkäse eingedeckt. Kurz vor zwei ging‘s dann weiter zur Lindauer Hütte (1.744 m). Ein großer Baukran signalisierte, dass hier einige Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen im Gange waren. Die Schlafplätze konnten nicht gleich zugeteilt werden, so dass wir uns um 14:30 Uhr entschlossen, die Geißspitze (2334 m) ohne weitere Pause gleich zu erklimmen. Ein schöner, in Serpentinen geführter Pfad, führte in knapp zwei Stunden zu unserem ersten mit Gipfelkreuz gezierten Aussichtspunkt. Auch den Gipfel der Sulzfluh konnten wir ausmachen. Wenn ich Kaffee und Kuchen dabei gehabt hätte, wäre auch mein Wunsch nach einer Wadelmassage von einer jungen Maid erfüllt worden. Wie sich später herausstellte, sollten wir sie und ihre große Gruppe im Laufe unserer Wanderung noch öfter treffen. Darüber dann aber später. Für den Abstieg haben wir einen anderen, aber für diesen Zweck sehr schönen Pfad gewählt. Um kurz vor sechs erreichten wir, vorbeikommend an der Oberen Spora Alpe, die Lindauer Hütte und bezogen gleich unser Matratzenlager. Ein bisschen geschockt waren die meisten schon, denn es war in dem Nebengebäude proppenvoll und nahezu keine Möglichkeit der Unterbringung des Gepäcks gegeben. Alles stand im Weg herum. Die oberen Lager konnten nur mit etwas Akrobatik (ohne Leiter) erreicht werden. Zum Glück waren am Ende doch nicht alle Lager in unserem Areal belegt, so dass die Schlafsituation etwas entspannter war als zunächst vermutet.

Die Küche hatte ein sehr vielfältiges Angebot und auch das Bier war in Ordnung. Duschen war mit Duschmarken für 1€/5Min möglich und ein toller Service! Einige unserer Gruppe haben mit einem Eisbecher den schönen Hüttenabend ausklingen lassen.

Bereits vor zehn Uhr haben die meisten das Lager aufgesucht, denn ein nicht wenig anstrengender Tag stand bevor.

Samstag:

Etwa um 07:00 Uhr haben wir uns nach einer überraschend angenehmen Nacht aus den Schlafsäcken gepellt. Die Wettervorhersage schien zu stimmen, denn es versprach ein sonniger Tag zu werden. Um 08:30 Uhr sind wir dann Richtung Sulzfluh-Gipfel gestartet. Zunächst ging es in südwestliche Richtung etwa 100 hm bergab durch den Porzalengawald. Nach 1,6 km begann der eigentliche Aufstieg und der Pfad führte uns durch einen relativ dichten Latschenkiefernbestand. Von Westen her grüßten sehr fotogen die Drei Türme in der Drusenfluhgruppe herüber.

Nach einer kleinen Trinkpause erreichten wir über den Rachen, ein kräftezehrendes Kar mit steilen Schotterfeldern, die Karsthochfläche des Sulzfluhplateaus am Karrenfeld auf etwa 2.600 m. Linker Hand die Grenze zur Schweiz, südwestlich der Gipfel der Sulzfluh. Dort trafen wir auch die Bergsteiger wieder, die den Sulzfluhgipfel über den Klettersteig Gauablickhöhle erreichen wollen.

Die Sulzfluh ragt dann zuletzt noch wie ein kleiner Zuckerhut aus dem Hochplateau heraus. Der Gipfel war etwa um 13:00 Uhr erreicht. Bei diesem herrlichen Wetter waren wir nicht alleine, denn es bot sich ein phantastischer Ausblick in die Schweiz, zur Silvretta und natürlich über die Montafoner Berge. 

Nach einer ausführlichen Rast auf dem Gipfel ging es dann an den Abstieg zur Tilisunahütte. Zunächst ging es ziemlich flach auf dem Hochplateau des Karrenfeldes in nordöstliche Richtung abwärts.

Ein Ausrutscher auf einer flachen Felsplatte bescherte mir einen schmerzenden Knöchel. Dank der Fürsorge von Roland konnte ich den Knöchel mit herbeigeschafften Schneeresten kühlen. Im weiteren Abstieg zeigte es sich dann wie nützlich Teleskopstöcke sein können. 

Durch den kleinen Zwischenfall sind wir etwas später als geplant an der gut besuchten Tillisunahütte angekommen. Einige von uns haben sich Roland angeschlossen und sich zu einem kühlen Bad im unterhalb der Hütte gelegenen, kleinen Tilisunasee, aufgemacht. Andere haben eine warme Dusche vorgezogen.

Die Unterbringung war sehr großzügig, denn wir hatten diesmal zu acht ein Zimmer mit 10 Lagern mit schön breiten Matratzen für uns alleine.

Schon am frühen Abend zeichnete sich ab, dass ein heftiges Gewitter kommen würde. Erst nur Wetterleuchten und dann grandiose Blitzfolgen. Ein wunderbares Erlebnis, dieses Naturschauspiel von der sicheren Hütte aus beobachten zu können!

Sonntag:

Nach den Gewittern der vergangenen Nacht konnte man es fast nicht glauben, dass nur noch ein paar Nebelschwaden als Zeugen der feuchten Nacht übrig geblieben sind. Wieder empfing uns ein sonniger Tag. Wie verabredet konnten wir um 08:30 Uhr talwärts nach Latschau starten.

Bald schon war der Blick frei auf unser nächstes Ziel - die Tschaggunser Mittagsspitze (2168 m). Immer wieder lockten die reifen Blaubeeren oder auch die Preiselbeeren zu einer kurzen Naschpause. Ein sehr schöner Gratweg führte uns an den Fuß der Mittagspitze.

Den kurzen knackigen Aufstieg haben sich nur drei unserer Gruppe entgehen lassen. Ich sowieso, weil ich meinen Fuß etwas schonen wollte und endlich, die sooft auf dieser Tour in Aussicht gestellte „Wadelmassage“ durch die besagte junge Maid wahr werden sollte, denn die Wandergruppe von der Geißspitze haben wir wieder getroffen. Ab da hatte ich fast keine Beschwerden mehr am Fuß ;-)!

Nach einer Mittagspause an der Mittagsspitze ging es dann weiter talwärts vorbei an der Alpila Alprecht zu unserem Parkplatz. Die Forststraße hinab nach Latschau war dann ein ziemlicher Hatscher. Alle sehnten sich nach einer Erfrischung oder Stärkung. Auf einer  sonnigen Terrasse in Latschau haben wir uns rasch erholt und konnten unsere Heimfahrt antreten.

In Aitrach haben wir die Autobahn aber nochmals verlassen, um mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Kroatischen Restaurant**** die sehr schöne Bergtour ausklingen zu lassen.

Dank an Roland für die gut ausgearbeitete und angenehm geleitete Bergtour im Rätikon. 

Bilder: Axel Zwiener

Alle Teilnehmer
Auf dem Gipfel der Geißspitze
Die Geißspitze
Der Aufstieg im Rachen
Auf dem Sulzfluh-Gipfel
Das Hochplateau unterhalb der Sulzfluh
Panoramablick in Richtung Latschau
Die Tilisunahütte
Auf der Mittagsspitze
Panorama mit Mittagsspitze