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Herbstwanderung im Villnösstal

30.09.2016 - 03.10.2016
Autor: Heidi Ulm-Rosenberger, Fotos: Anita Boas
Tour-Nr.: 2016-02-64

Tourenleiter: Stephan Wickerath

Teilnehmer: Elfriede, Anita, Vera, Ute, Birgit, Jürgen, Hermann und ich

"Die Zeit ist das kostbarste, weil unwiederbringlichste Gut, über das wir verfügen. Verloren wäre die Zeit, in der wir nicht als Menschen gelebt, Erfahrungen gemacht, gelernt, geschaffen, genossen und gelitten hätten" (D. Bonhoeffer)

Meine ersten Gedanken beim Sortieren der Eindrücke zurück an die vergangenen Tage sind nicht Bilder von Bergen und Wiesen, Wegen und Gesteinen, sondern die an euch, ihr lieben Mitwanderer.

Deshalb schreibe ich zu allererst an euch, ich danke euch für diese wertvolle Zeit.

Am Freitag früh um 8 Uhr begann unsere Reise von Ansbach nach Teis im Villnösstal. Erst mal durchs Altmühltal auf die A9, die Münchner Ostumfahrung A99, übern Brenner nach Südtirol. Wir kamen halbwegs gut voran und erreichten Teis gegen 15 Uhr.

In Teis logierten wir im Gasthof Stern (Doppelzimmer mit Halbpension). Eine sehr gute Adresse mit hervorragender Küche.

Für den Freitag hatte Stephan noch eine kleine Wanderung zum Flitzer Wasserfall vorgeschlagen. Von der Straße nach Oberflitz wanderten wir auf Waldwegen zum Wasserfall. Der Flitzer Wasserfall fällt 45 Meter tief, sein eisenhaltiges Wasser färbt das Gestein wie von Adern durchzogen in verschiedenen Braun- und Rottönen. Beeindruckend war die klare Luft und die herrlichen Farben am Wasserfall. Am Fuße des Wassers wuchs saftig, grüne Brunnenkresse, die wir kosteten.

Wir hatten das Glück, zwei naturkundlich versierte Männer in unserer Gruppe zu haben. Stephan konnte mit seinem Fachwissen zu Pilzen, Bäumen und Sträuchern die Wanderung bereichern. Jürgen, der Buchautor, ergänzte ihn mit seinem breiten Wissen über Pilze und essbare Wildpflanzen. Pilze wie Saftling, Rotkappe, Maronen-Röhrling oder Stoppelpilz blieben uns nicht mehr fremd. Zurück im Gasthof erfreuten sich unsere Mägen über ein köstliches 4-Gänge-Menu (sehr, sehr lecker) und ein paar Gläschen Edelvernatsch.

Der Samstagmorgen begann für die meisten damit, dass wir im Dorfladen unseren Proviant des Tages besorgen konnten. Die Auswahl in dem kleinen Tante-Emma-Laden war beeindruckend. Von Hanfschocki, Käse, Brillenschaf-Wurst, Brot bis zur Unterwäsche, es gab einfach wirklich alles auf 40 qm. Ich musste staunen, als die Verkäuferin meine Brötchen auf der manuellen Waage abwog.

Nach dem Frühstücks-Büfett ging‘s raus. Heute wollten wir die Peitler-Runde im Naturpark Puez-Geisler erwandern. Wir starteten unsere Wanderung am Würzjoch (2.000 m). Nach leichtem Nebel erfreute uns die Sonne, als wir die Peitler-Scharte auf 2.350 m hochstiegen. Oben angekommen, verbrachten wir unsere Pause mit überraschend vielen anderen Wanderern. Hermann, Jürgen und Elfriede wollten noch hoch hinaus und stiegen zusammen auf den kleinen Peitler Kofel (2.813 m). Wir anderen wanderten weiter rund um den Peitler. Ute verglich die schön herbstlich gefärbten Hochwiesen, die an Heideland erinnerten, mit dem Herbst in Nordschweden. Wie aus dem Bilderbuch: Preiselbeerbüsche mit roten Beeren und Blättern, inmitten von Wollgras, grün, weiß, rot und braun, dann wieder Fels und Stein, eine wunderschöne Stimmung, die uns nicht unberührt ließ. Aus dieser Stimmung heraus –  die an Schönheit und Anmut kaum zu übertreffen war - gebar Anitas Wunsch nach einem Foto, das den ebenso „schönen und anmutigen“ Stephan unter dem Wasserfall ablichten sollte. Leider war Stephan nicht daran interessiert, als Starschnitt an diversen Zimmertüren zu erscheinen. Schade! :-(  

Nach ca. 5 1/2 Stunden Wanderung trafen wir wieder zusammen mit unseren drei Separatisten am Ausgangspunkt ein. Es war unterdessen ziemlich frisch geworden und die Freude auf eine Tasse Kaffee mit Buchweizentorte im Gasthaus groß.

Während Teile unserer Gruppe den Abend an der Bar ausklingen ließen, ereignete sich in anderen Schlafzimmern Szenarien, die ich keinem Leser vorenthalten möchte. Gerade Leser mit Rhonchopathie (Schnarcher) können hiermit wieder kräftig aufatmen:

Die Nachtruhe ist ein sehr zu schützender Lebensbereich, wie erholend und förderlich gesunder Schlaf ist, weiß jeder erwachsene Mensch, der Kinder großgezogen hat oder mitten in der Menopause oder anderen Befindlichkeiten und Entbehrungen ausgesetzt ist oder war. Der Entzug gesunden Schlafes hingegen wirkt sich physisch und psychisch eher ungünstig aus. Ich möchte gar soweit gehen, zu behaupten, der Mythos des Zombies, des also halbtoten, wirr drein blickenden, weder tot, noch lebendigen Menschen, entstammt dieser Erfahrung des Schlafentzugs. Ein Teilnehmer aus unserer Gruppe litt exakt an diesem Zustand. Teilnehmer A: Schnarcher, Teilnehmer B: Mutierender. Teilnehmer A, entschlossen die Mutation des Mitschläfers zu unterbrechen, zerbrach sich seinen Kopf und erfand den „Antischnarchrucksack“! Man ziehe über das Schlafgewand den mit einer vollen Wasserflasche gefüllten Rucksack über. Dies möge das auf dem „Rückenschlafen“ verhindern, und somit die Ursache der Ruhestörung vereiteln. Gesagt getan, und voilà, es wirkte!

Nun vergaß Teilnehmer A leider, nachdem er sich mit einem Schluck Wasser aus dessen Rucksack bediente, die Flasche wieder zuzuschrauben......beide Teilnehmer erwachten, als das Bett nass wurde..........

Sonntag: Es regnete immerzu. Abfahrt 9.00 Uhr wie immer. Heut ging‘s zur Zanser Alm, 1.695 m, an der Dusler Alm, 1.800 m, vorbei, weiter zur Gschnagenhardt Alm, 2.000 m. Unsere Regenwanderung führte am Fuße der Geisler vorbei, von denen wirklich nur der untere Fuß sichtbar war, den Adolf-Munkel-Weg hoch. Ziemlich nass und ausgekühlt kehrten wir in der Gampen Alm (2.062 m) ein. So leckere Buchteln und Kaiserschmarrn machten mich wieder munter. Allein für dieses Essen lohnt sich jede Wanderung, selbst bei strömendem Regen. Der Regen stellte sich ein, und unser Abstieg erhellte sich für einen Moment, als zu Beginn des Heuwegs die Sonne unsere Gesichter traf. Ach ja, und da kam der Wasserfall ins Spiel (s. o.) und Anita mit ihren sexy legs, like Gerd Müller. ;-)

Meine Aufzeichnungen via „Komoot“ bezeugen →  Wopp-Geschwindigkeit der Wanderer.

Montag: Leider, leider soll das unser letzter Tag sein. Die Nacht brachte leichten Schneefall auf 2.000 m. Die Sonne lachte, der Himmel war blau, wie frisch gestrichen. Stephan disponierte um: Heute geht’s nicht nach Kloster Säben (Klausen, Eisacktal) sondern nochmal nach Zans. Auf wunderschönen Trampelpfaden gingen wir den unteren Herrensteig hoch (ca. 400 Höhenmeter) und genossen den überwältigenden Blick auf die Geislergruppe, der uns am Vortag verwehrt war. Zum Abschluss formierten wir uns zum Foto-Shooting an der Kapelle in Ranui, mit den Geislern im Hintergrund, die sich langsam wieder in Wolken hüllten. Ein herrlicher Tag, einfach unbeschreiblich schön.

Schade, dass die Tage so schnell vorbei gingen. Ich danke euch für die schöne Zeit!

Bergidylle
Auf der Dusleralm - noch ist es trocken
Stephan erklärt die Entstehung des Baumpilzes
Das erste Bild nach dem Regen
Endlich Sonne!
Die imposante Geislergruppe
Kapelle St. Johann in Ranui - im Hintergrund die Geislerspitzen